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Marktradar vom 17. April 2023

Marktradar vom Montag, 17. April 2023 von Stefan Pröhl

Marktradar für Montag, 17. April 2023

Der Risk-On Mut schwächelt seit etwa 2 Wochen – gibt aber immer noch den Ton an

Nachdem am Donnerstag die großen US-Aktienindizes von der Eröffnung an bis zum Handelsschluss stringent nach oben liefen, war die Hoffnung bei so manchem Aktienhändler groß, dass es am Freitag noch einmal zu so einer Einbahnstraße-Rallye Richtung Norden kommen könnte. Der ETF auf den S&P 500 (SPY) stieg in der ersten halben Stunde auch schnurstracks bis kurz über 415 US-Dollar hoch – das war es dann aber auch mit der Bullenpower gewesen: danach konnten Käufer den Markt nicht mehr dominieren.

Der Risk-On Mut schwächelt seit etwa 2 Wochen – gibt aber immer noch den Ton an

Nachdem am Donnerstag die großen US-Aktienindizes von der Eröffnung an bis zum Handelsschluss stringent nach oben liefen, war die Hoffnung bei so manchem Aktienhändler groß, dass es am Freitag noch einmal zu so einer Einbahnstraße-Rallye Richtung Norden kommen könnte. Der ETF auf den S&P 500 (SPY) stieg in der ersten halben Stunde auch schnurstracks bis kurz über 415 US-Dollar hoch – das war es dann aber auch mit der Bullenpower gewesen: danach konnten Käufer den Markt nicht mehr dominieren.

Da der ETF für den Nasdaq 100 (QQQ) am Freitag einen ähnlichen Verlauf nahm, konnte auch dieser den Optimismus vom Donnerstag nicht mit in das Wochenende nehmen. Im QQQ-ETF war knapp über 320 US-Dollar Schluss mit Lustig. Zwar sehen wir im Chartbild nun eine konstruktive flache Basis knapp unter dem Zwischenhoch vom 4. April (321,63 US-Dollar), aber wir verorten auch für den 12. April ein tieferes Tief (312,56 US-Dollar). Nun wäre es wichtig, dass der Widerstand um 320 US-Dollar im Nasdaq-100-ETF schnell genommen wird (am besten heute oder morgen) – sonst besteht die Gefahr, dass das Zwischentief vom 12. April unterschritten wird und damit die aktuell noch sehr konstruktiv aussehende flache Basis im Chartbild in Vergessenheit gerät.

Der ETF für den Russell 2000 (IWM) zeigte am Freitag wieder einmal relative Schwäche, zumindest was die Tagesperformance betrifft. Aber der Marktradar kann einen Hoffnungsschimmer am Horizont sehen: Der IWM-ETF wird nämlich für heute auf den Tagesstempel “Bodenbildung oder Seitwärts” hochgestuft, nachdem er am Freitag noch den Tagesstempel “Unter Beobachtung” erhielt.

Vorbörslich (Stand: etwa 11:30 Uhr deutscher Zeit) sieht es auch so aus, als ob der Russell 2000 etwas besser in den Tag starten könnte als der S&P 500 und der Nasdaq 100.

Was sehen wir unter dem Radar der großen US-Aktienindizes ?

Seit etwa zwei Wochen sehen wir eine Sektorrotation, die ein bisschen unter dem Radar der auf Monate erstreckten Sektorenanalyse abläuft: Obwohl Aktien aus dem Technologiebereich weiterhin ein recht konstruktiv aussehendes Chartbild aus 3-Monats-Sicht zeigen, verorten wir gerade in solchen Aktien aus 2-Wochen-Sicht relativ viele tiefere Hochs und sogar mitunter tiefere Tiefs. Damit diese Warnzeichen nicht zu einem Vorboten für eine Sektorrotation auf übergeordneter Zeitebene werden – weg von Risk-On und hin zu Risk-Off – ist es nun wichtig, dass Risk-On-Sektoren und -Branchen-ETFs wie Technologie (XLK), Semiconductor (SMH), Cybersecurities (CIBR) oder auch Green-Tech (QCLN) schnell tiefere Hochs überschreiten können. Denn genau bei diesen eben genannten ETFs verorten wir aktuell tiefere Hochs, während wir in den ETFs für den Bereich Risk-Off wie Energieversorger (XLU), Healthcare (XLV), Konsum (XLP und XLY) solche Warnzeichen zuletzt nicht sahen. 

Der Risk-Off-Bereich wurde in den letzten zwei Wochen also akkumuliert und nicht der Risk-On-Bereich.

Drei Tech-Wetten auf den Breakout

Wer darauf wetten möchte, dass die momentane Schwäche bei Technologieaktien nicht lange Bestand haben wird, der könnte jetzt nach Aktien greifen, die sich erst in den letzten Wochen relativ gut geschlagen haben und die, um alte Allzeithoch erreichen zu können, bis zu 100 % Kurspotential haben: Hier fielen mir Adobe (ADBE) und  Salesforce.com (CRM) auf, die inzwischen als Nachzügler für den Open-AI Hype für Investoren interessant geworden sind. Außerdem könnte auch eine Aktie wie Hubspot (HUBS) trotz hoher fundamentaler Bewertung vor einem Run auf alte Allzeithochs stehen.

Adobe

Adobe zeigt aus Sicht von etwa 4-Wochen relative Stärke zum Technologiesektor: Von Mitte März bis Anfang April konnte die Aktie um ungefähr 15 % steigen. Adobe ist aktuell nur noch etwa 1,6 % von dem am 31. März erreichten Zwischenhoch (385,73 US-Dollar) entfernt. Sollte dieses im Zuge einer Risk-On-Zunahme des Gesamtmarktes überwunden werden, dann dürfte die Aktie relativ schnell auf die 400-US-Dollar-Marke zusteuern. Das Allzeithoch liegt bei knapp 700 US-Dollar.

Adobe hat mit der Beta-Version von Adobe Firefly jüngst eine Bilder generierende KI-Software freigeschaltet, mit der wir über Sprache oder Chats visuelle Imaginationen kreieren und auch weiter bearbeiten können. Der Tutorial-Aufwand wird für die User nur einen Bruchteil der Zeit kosten, die User gebraucht haben, um über Photoshop in der Bildbearbeitung fit zu werden. Damit wird Adobe spätestens jetzt bei Analysten als Profiteur der Open-AI-Revolution angekommen sein und in entsprechenden Watch- und Kauflisten auftauchen; schließlich auch in Kürze in den vielen ETFs vertreten sein, über die die Emittenten das Thema Künstliche Intelligenz als Basket-Lösung an Investoren verkaufen wollen.

Salesforce

Auch Salesforce.com hatte am 31. März ein Zwischentief ausgebildet. Dieses verorten wir exakt bei 200 US-Dollar. Davor konnte die Aktie – wie auch Adobe – von Mitte März bis Anfang April etwa 15 % steigen. Die CRM-Aktie zeigt damit ebenfalls relative Stärke auf jüngerer Zeitebene. Aktuell notiert die Salesforce-Aktie etwa 2,6 % unter der wichtigen 200-US-Dollar-Marke. Das Allzeithoch liegt bei etwas über 300 US-Dollar.

Im Januar sorgte die Meldung für Aufsehen, dass sich der aktivistische Investor Elliott Management ein milliardenschweres Aktienpaket an Salesforce gesichert hat. Außerdem will der führende Anbieter von Customer-Relationship-Management (CRM)-Software eigene Aktien im Wert von 20 Mrd. US-Dollar zurückkaufen. 

Salesforce-com spielt natürlich auch im umkämpften Markt um die OpenAI mit: Salesforce.com tritt mit der KI-Software namens EinsteinGPT “in den Ring” und will sich hier nicht von Konkurrenten ausknocken lassen. EinsteinGPT soll direkt in die Customer-Relationship-Management-Software der Firma integriert werden.

Hubspot

Als ein ernstzunehmender Konkurrent für Salesforce.com gilt inzwischen Hubspot (HUBS; Marktkapitalisierung: 20 Mrd. US-Dollar). Hubspot genießt als Herausforderer für Unternehmenssoftwareanbieter wie Salesforce.com oder die deutsche SAP vor allem bei kleineren Unternehmen einen guten Ruf. Hubspot hat gegenüber den Big-Playern den Vorteil, dass Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit im Vordergrund stehen. Das Customer-Relationship-Management (CRM) von Hubspot soll selbsterklärend eingerichtet werden können, ohne dass dafür Personal eingestellt oder langwierige Einarbeitungszeiten für Anwender geplant werden müssen. Nachteil ist natürlich, dass ein Unternehmen mindestens dreimal überlegt, ob man das unternehmerische Risiko, eine funktionstüchtige CRM-Software durch eine andere ersetzen zu wollen, wirklich eingehen möchte.

Die Aktie von Hubspot zeigte bisher ein extrem starkes Umsatzwachstum auf, das in dieser Dynamik auch im Software-Bereich selten anzutreffen ist. Mit einem für 2023 erwarteten KGV von über 90 und einem KUV von 10 ist im Kurs natürlich schon viel Phantasie eingepreist. Gewinner von morgen sind an der Börse leider nur sehr selten zu Schnäppchenpreisen zu bekommen. 

Auch die Hubspot-Aktie könnte vor einem Big-Breakout-Versuch stehen. Das am 31. März ausgebildete Zwischenhoch notiert bei 431,60 US-Dollar. Noch im November 2021 kostete eine Hubspot-Aktie über 850 USD. Um alte Hochs wieder erklimmen zu können, müsste sich die Aktie also verdoppeln. Angesichts der hohen Bewertung erscheint das auf den ersten Blick bei HubSpot recht sportlich. Aber wenn ein David wie Hubspot gegen Goliaths wie SAP oder Salesforce.com weiterhin so dynamisch Marktanteile gewinnt, dann ist mehr möglich, als sich Börsianer oft vorstellen können. Auch eine Aktie wie Tesla war als Herausforderer von Mercedes-Benz & Co. jahrelang fundamental jenseits von Gut und Böse bewertet und stieg trotzdem immer weiter.

NIMMSTA Finanzierungsrunde