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Marktradar vom 22. Dezember 2022

Marktradar vom Donnerstag, 22. Dezember 2022 von Stefan Pröhl

Marktradar für Donnerstag, 22. Dezember 2022

Die Chemie stimmt nicht mehr

Börsianer kauften gestern massiv Put Optionen

Gestern um 19 Uhr deutscher Zeit stieg an der CBOE das Handelsvolumen für Put-Optionen auf Aktien (inklusive ETFs) rapide in die Höhe. Offensichtlich haben sich viele Händler dazu entschlossen, sich während eines steigenden Aktienmarktes mit Put Optionen abzusichern. Da aktuell wohl verhältnismäßig viele Privatanleger im Vergleich zu Institutionellen am Markt während der regulären Handelszeiten agieren, erwarten diese offensichtlich fallende Aktienkurse.

Das Sentiment folgt dem Muster: Verkaufen, wenn andere verkaufen

Das von der American Association of Individual Investors (aaii) gemessene Sentiment, das einmal wöchentlich veröffentlicht wird, bestätigt diese Marktmeinung für Privatanleger.  Aktuell fühlen sich 52,3 % der Befragten im Bärenlager und 20,3 % im Bullenlager. 27,4 % gaben an, sich neutral, also vermutlich abwartend zu verhalten.

Solche Erhebungen über Befragungen gelten als Kontraindikator: Steigen die Aktienkurse, dann wechseln mehr Privatanleger in das Bullenlager. Fallen die Aktienkurse, dann wechseln mehr Privatanleger in das Bärenlager. Dieses Muster ist immer noch von Woche zu Woche zu beobachten. Zuletzt sind die Kurse gefallen, also steigt die Anzahl derjenigen, die eher fallende Kurse erwarten. Es ist in diesem Jahr aber schwieriger geworden, über die Sentiment-Befragung Tiefpunkte am Markt bestimmen zu können. Beispielhaft sei die Erhebung vom 21. September genannt, an dem absolute Extremwerte gemessen wurden. 17,7 % gaben damals an, sich bullisch und 60,9 % gaben an, sich bärisch positionieren zu wollen. Das aktuell noch gültige markante Tief im S&P 500 wurde aber erst am 13. Oktober, also ca. drei Wochen nach dieser extremen Positionierung erreicht.

Wann kommt der Sell Off in den großen Aktienindizes ?

Für heute werden der S&P 500 (SPY) und der Russell 2000 (IWM) abgestuft. Beide Aktienindizes erhalten ab heute den Tagesstempel “Abwarten oder auf Sell Off spekulieren”. Der Nasdaq 100 (QQQ) erhält bereits seit dem 19. Dezember diesen Tagesstempel. 

Die gleichgewichteten Modelle für den S&P 500 (RSP) und den Nasdaq 100 (QQQE) erhalten aber noch den Tagesstempel “Buy the Dip”. Es sieht also nicht ganz so schlimm aus, wenn hoch gewichtete Aktien wie Alphabet, Amazon oder Apple im Index genauso gewichtet werden wie weniger hoch kapitalisierte Aktien.

Entry Stempel für die Short Seite erhalten wir für heute für den Russell 2000 und für Lateinamerika (ILF). 

Was sehen wir unter dem Radar der großen US-Aktienindizes ?

Vier Branchen erhalten für heute eine Entry Empfehlung auf der Short Seite, d. h. dass Trader in eine Überkauftheit hinein Aktien nun leerverkaufen könnten – also einen Swing Trade auf der Short Seite eingehen könnten: Regionalbanken (KRE), zyklische Konsumaktien (XLY), Uran (URA) und Biotechnologie (XBI). 

Innerhalb der  Branche Biotechnologie führen jedoch viele Aktien ein Eigenleben und korrelieren wenig mit der Peer-Group. Außerdem ist der Leerverkauf von Biotechnologieaktien mit so hohen Risiken verbunden, dass ich davon generell abraten würde.

Uranium Energy mit geringerem Verlust als erwartet

Aus dem Bereich Uran hat Uranium Energy (UEC) am Montag nachbörslich Quartalszahlen gemeldet. Der Verlust war geringer als von den Marktteilnehmern erwartet. Daraufhin ist die Aktie zwei Tage in Folge kräftig gestiegen und notierte gestern per Tagesschluss bei 3,69 $, damit höher als das erreichte Zwischenhoch vom 13. Dezember (3,66 $). Daher würde ich diese Aktie nun nicht unbedingt leerverkaufen wollen.

Chemie gestern mit wenig Druck nach oben

Charttechnisch fallen mir für Leerverkäufe aktuell Aktien aus dem Bereich Chemie auf. Der ETF mit dem Kürzel XLB investiert in Materialien und Basisstoffe und enthält relativ viele Aktien aus dem Bereich Chemie. Dort sahen wir zuletzt gehäuft Tage, an denen der ETF bei hohem Handelsvolumen im Tagesverlauf gefallen ist.

Die gestrige Erholungsbewegung im US-Chemie Giganten DuPont de Nemours (DD) sah gegenüber anderen Aktien ziemlich mickrig aus. Im Chart hat die Aktie am 15. September eine eigentlich konstruktiv aussehende flache Basis nach unten verlassen und konnte gestern nicht “die Kraft aufbringen” wieder in das Basisniveau zurückzukehren. Eine Ausdehnung der Konsolidierung scheint mir nun wahrscheinlicher zu werden als ein Anlaufen des am 13. Dezember erreichten Zwischenhochs (71,85 $). Die Aktie von DuPont de Nemours schloss gestern bei 68,32 $. Die Konsolidierung könnte sich bis 65 $, vielleicht auch bis 60 $ ausweiten.

Ein ähnliches Chartbild sehen wir beim US-Konkurrenten Dow (DOW).

Alternativ böte sich der deutsche Chemieriese BASF (WKN: BASF11) an. Die Aktie notiert am oberen Ende des Trendkanals bei aktuell ca. 46,50 EUR und dürfte nun wieder Richtung untere Begrenzung fallen. Allerdings befindet sich bei 45 EUR eine horizontale Unterstützung, die kurzfristig Halt bieten könnte. Sollte diese gerissen werden, könnte es in der BASF Aktie relativ schnell Richtung 40 EUR runter gehen – dann vermutlich zeitgleich mit einem Ausverkauf im deutschen Leitindex DAX.

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