Neben vielen anderen Informationen findest Du in den nächsten Leseminuten Antworten auf folgende Fragen:
Warum der S&P 500 nach schwachen Zahlen zum Verbrauchervertrauen meistens steigt
Warum das Tief am Donnerstag im S&P 500 zumindest in dieser Handelswoche nicht unterschritten werden dürfte
Warum massive Investitionen in Deutschland nun das Momentum hoch halten dürften
Warum Buy-the-Dip und Breakout Manöver aktuell am besten bei europäischen Aktien funktionieren
Warum in Brasilien der Bärenmarkt in Kürze enden könnte
Warum Short-Positionen in Kaffee und Natural Gas nun interessant werden könnten
Warum nun Trader von Gold wieder in den Bitcoin switchen könnten
Warum Tongcheng Travel nun eine gute saisonale Idee sein kann
Marktradar vom Montag, 17. März 2025
Börsianer suchen ihr Glück jetzt in Europa, China und Lateinamerika
Schwache US-Konsum-Daten lassen Börsianer nun optimistischer werden
Am Freitag meldete die Universität von Michigan neue Daten zum US-Verbrauchervertrauen.
Der Konsumklima-Index der Universität von Michigan gilt als ein wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in den USA. Die monatlich von der Universität von Michigan veröffentlichten Daten basieren auf Umfragen unter Verbrauchern und spiegeln deren Einschätzung zur aktuellen wirtschaftlichen Lage wider.
Diese Daten werden von Volkswirten gern als Frühindikator für die Realwirtschaft gesehen. Immerhin macht der private Konsum etwa zwei Drittel des US-Bruttoinlandsprodukts aus.
Ein optimistisches Konsumklima deutet darauf hin, dass Verbraucher bereit sind, mehr Geld auszugeben, was Unternehmen zu höheren Investitionen und Neueinstellungen motiviert. Umgekehrt kann ein schwaches Konsumklima, wie es sich aktuell auszubreiten scheint, auf eine zurückhaltende Konsumneigung in den kommenden Monaten hinweisen, was sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirkt.
Wie die Daten vom Freitag zeigten, hat sich die Laune der US-Konsumenten mit zunehmender Inflationsangst, maßgeblich hervorgerufen durch die erratische Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump, stärker als erwartet eingetrübt. Das Barometer der Universität Michigan für das Verbrauchervertrauen sackte im März erneut ab, und zwar auf 57,9 Punkte. Wir erinnern uns: Im Vormonat konnten noch 64,7 Zähler gemessen werden.
Es ist bereits die dritte Eintrübung der Verbraucherstimmung in Folge. Und das Tempo der Abwärtstendenz hat Mitte März sogar noch erheblich stärker zugenommen als von Beobachtern erwartet worden war. Experten hatten nämlich nur einen leichten Rückgang auf 63,1 Punkte erwartet, was deutlich optimistischer als die nun gemeldeten 57,9 Punkte war.
Mit Blick auf die kommenden 12 Monate rechnen die Verbraucher aktuell mit einer Teuerungsrate für Waren und Dienstleistungen von 4,9 %. Im Februar hatten sie bereits 4,3 % befürchtet. Der aktuelle Wert ist der höchste seit November 2022.
Laut den von Truflation ermittelten Realdaten zur US-Inflation sehen wir aktuell nur eine Inflationsrate von 1,5 %, so dass die Konsumenten hier womöglich die Teuerung in den USA deutlich pessimistischer sehen, als aktuelle Daten dieses erwarten lassen.
Börsianer bewerten solche Wirtschaftsdaten wie den Konsumklimaindex der Universität von Michigan jedoch völlig anders als Volkswirte und Verbraucher, denn in Zeiten schwacher Erwartungen steigen die Aussichten, dass künftige Erhebungen besser als erwartet ausfallen.
Zeiten, wo US-Verbraucher so pessimistisch in die Zukunft schauen wie jetzt, sind an der Börse in der Vergangenheit meist gute Gelegenheiten zum Einstieg oder Nachkauf gewesen. So gab es im Februar 1975, im Mai 1980, im Oktober 1990, im März 2003, im November 2008 und zuletzt im November 2022 solche Tiefpunkte beim US-Verbrauchervertrauen, wie wir sie aktuell sehen. An allen diesen Tiefpunkten des Verbrauchervertrauens konnte der S&P 500 danach aus 12-Monats-Sicht um mehr als 20 % steigen.
So sahen wir am Freitag auch das Phänomen, dass die um 16 Uhr deutscher Zeit gemeldeten Daten zwar zu einem schnellen Kursrutsch im ETF für den S&P 500 (SPY) von 558 auf 555 (0,5 %) geführt haben, der S&P 500 danach aber die negativen Meldungen zum Konsumklima schnell verdaut hat und nach oben drehte und bis zum Tagesschluss noch um mehr als 1 % steigen konnte.
Dabei mag geholfen haben, dass sich am Freitag wieder Hoffnungen auf einen Waffenstillstand in der Ukraine breit machten und es eine Einigung zwischen den Demokraten und den Republikaner bei der Schuldenobergrenze gab, so dass eine Haushaltsblockade in den USA ultimativ abgewendet werden konnte.
Das Tief vom Donnerstag dürfte diese Woche nicht unterschritten werden
Wer den Fokus in den drei großen US Aktienindizes S&P 500 (SPY), Nasdaq 100 (QQQ) und Russell 2000 (IWM) nicht auf den Tageschart, sondern auf den Wochenchart legt, sieht in den drei Charts nun drei schöne Hammer in der Candlestick-Einstellung, so dass nun die Stillhalter und Hedger unter den Optionshändlern sowohl dem Wochentief der vergangenen Woche, das in allen drei genannten US-Indizes am Donnerstag erreicht wurde, als auch dem am Freitag erreichten Kursen zum Wochenschluss besondere Aufmerksamkeit schenken werden.
Diese könnten nun als Price-Action-Zonen für die kommende Woche herhalten, denn am Freitag, 21. März, steht der nächste große Verfallstag für Termingeschäfte am US-Aktienmarkt an.
Wir halten es wegen dieses Events nun für wahrscheinlich, dass die Wochentiefs (SPY: 549,68; QQQ: 466,43; IWM: 197,00) während der nun beginnenden Woche nicht unterschritten werden und es an den Wochenschlusskursen (SPY: 562,81; QQQ: 479,66; IWM: 202,89) zu erhöhter Price-Action kommt.
Nach dem Verfallstag werden die Karten dann neu gemischt und Stillhalter werden sich neue Strikes für Short Put Einstiege und Hedger neue Strikes für Long Put Absicherungen suchen.
Deutschland: Mehr Schulden braucht das Land
Die mutmaßlichen neuen Regierungsparteien in Deutschland, CDU/CSU und SPD, haben sich nach einem tagelangen Ringen am Freitag mit den Grünen auf das milliardenschwere Finanzpaket geeinigt. Damit scheint der Weg frei, dass der alte Bundestag am kommenden Dienstag die Lockerung der Schuldenbremse für höhere Verteidigungsausgaben sowie das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für Investitionen in die Infrastruktur mit einer nötigen Zweidrittel-Mehrheit beschließt.
Allerdings müssen auch noch die Bundesländer über den Bundesrat dem Vorhaben zustimmen. Erst wenn dies gelingt, kann man endgültig mit massiven Impulsen für die deutsche Konjunktur rechnen.
Börsianer gehen aktuell klar davon aus, dass diese Impulse kommen werden. Der Länder-ETF für Deutschland (EWG) konnte seit Jahresbeginn bereits um mehr als 20 % steigen.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ging bislang davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr um 1,1 % wachsen wird – ohne die angepeilten Mehrausgaben bei Infrastruktur und Verteidigung. Aber allein mit dem Sondervermögen für Infrastrukturinvestitionen könnte sich das Wachstumstempo auf +2,1 % erhöhen, so die Berechnungen des Instituts. Und in den nächsten 10 Jahren könnte es die Wirtschaftsleistung um durchschnittlich mehr als 2 % pro Jahr anheben.
Im laufenden Jahr 2025 ist allerdings noch nicht mit großen Effekten zu rechnen, da Investitionsprojekte eine Vor- und Anlaufzeit benötigen.
Letzteres ist für Börsianer jedoch eine gute Nachricht, weil sie ja die Zukunft und nicht die Gegenwart handeln wollen.
Europas Börsen zeigen beeindruckend starkes Momentum
Die meisten Länder-ETFs aus Europa erhalten von uns den Tagesstempel “Kaufen oder Aufstocken” und zugleich das Gütesiegel “Trendolgend kaufbar” – pessimistische Signale sendet allein der Länder-ETF von Dänemark (EDEN) aus.
Dänemarks Länder-ETF erhält tatsächlich den Tagesstempel “Abwarten oder auf Sell-Off spekulieren”, was weniger an den politischen Querelen um Grönland, sondern vielmehr an der schwachen Kursentwicklung der Aktie von Novo Nordisk (NVO; Marktkapitalsiierung: 250 Mrd. US-Dollar) liegen dürfte, da diese die Aktie mit der höchsten Gewichtung (ca. 20 %) im OMX Copenhagen 25 ist. Die Novo Nordisk-Aktie hat seit Jahresbeginn etwa 15 % an Wert verloren und hat damit den dänischen Leitindex um etwa 3 % nach unten gezogen.
Dänemark ist gemäß unserem Marktmodell aber das schwarze Schaf in einer Herde von lauter weißen Schafen.
Aktuell finden wir 13 Länder-ETFs aus Europa, die den Tagesstempel “Kaufen oder Aufstocken” und zugleich das Gütesiegel “Trendolgend kaufbar” erhalten. Wir listen diese im folgenden auf (in Klammern der prozentuale Abstand zum 19. Februar, an dem der S&P 500 und der Nasdaq 100 ihre Allzeithochs erreichten):
Griechenland (GREK; 12,05 %)
Österreich (11,50 %)
Türkei (TUR; 10,71 %)
Polen (EPOL; 9,11 %)
Spanien (EWP; 8,33 %)
Deutschland (EWG; 7,09 %)
Norwegen (NOR; 6,11 %)
Italien (EWI; 6,06 %)
Belgien (EWK; 5,94 %)
Irland (EIRL; 4,02 %)
Schweiz (EWL; 3,40 %)
Großbritannien (EWU; 2,92 %)
Niederlande (EWN; 0,62 %)
Momentum-Trader sollten sich aktuell lieber Aktien aus Europa als Aktien aus den USA zuwenden, weil Trendfolger hier ein deutlich besseres strategisches Umfeld für Buy-the-Dip und Breakout-Manöver vorfinden.
In der Region Asien lädt nur der Raum China / Hongkong zu Trendfolge-Manövern ein
Während alle von uns beobachteten US-Indizes aktuell den Tagesstempel “Abwarten oder auf Sell-Off spekulieren” erhalten und die meisten Länder-ETFs aus Europa den Tagesstempel “Kaufen oder Aufstocken” erhalten, sieht es in Asien weniger einheitlich aus.
Dennoch lässt sich eindeutig herauslesen, dass die Region China und Hongkong aktuell mehr Mittelzuflüsse erhält als andere Regionen im asiatischen Raum.
Den Tagesstempel “Kaufen oder Aufstocken” erhalten aktuell nur Länder-ETFs aus dem Raum China und Hongkong (ASHR; EWH; FXI), während 9 Länder-ETFS den Tagesstempel “Abwarten oder auf Sell-Off spekulieren” erhalten und damit fern der Euphorie in Europa gehandelt werden (in Klammern wieder der prozentuale Abstand zum 19. Februar, an dem der S&P 500 und der Nasdaq 100 ihre Allzeithochs erreichten):
Indonesien (EIDO; -6,85 %)
Australien (EWA; -6,15 %)
Neuseeland (ENZL; -6,08 %)
Thailand (THD; -5,42 %)
Taiwan (EWT; -5,34 %)
Saudi-Arabien (KSA; -3,87 %)
Malaysia (EWM; -3,77 %)
Südkorea (EWY; -3,67 %)
Indien (INDA; -1,70 %)
Trendfolger sollten sich aktuell auf den chinesischen Markt (ex-Taiwan) konzentrieren; Aktien aus den oben genannten Ländern lieber noch auf die Watchlist verbannen.
Endlich erhält der gesamte Raum Lateinamerikas Mittelzuflüsse
Die meisten Länder-ETFs aus Lateinamerika erhalten aktuell den Tagesstempel “Kaufen oder Aufstocken”. Das haben wir lange nicht gesehen, da es zuletzt sehr disparate Entwicklungen in dieser Region gab. So konnte der Länder-ETF für Argentinien (ARGT) im Jahr 2024 um über 60 % steigen, während der Länder-ETF für Brasilien (EWZ) etwa 30 % an Wert verlor.
Aktuell sieht es aber so aus, als ob die gesamte Region Lateinamerika Mittelzuflüsse für den Aktienmarkt von institutioneller Seite erhält – damit ist zu vermuten, dass Portfoliomanager neben Europa und China nun auch vermehrt Aktien aus Lateinamerika aufstocken wollen.
Wir listen nun die 4 Länder-ETFs aus Lateinamerika auf, die den Tagesstempel “Kaufen oder Aufstocken” und zugleich das Gütesiegel “Trendolgend kaufbar” erhalten (in Klammern wieder der prozentuale Abstand zum 19. Februar, an dem der S&P 500 und der Nasdaq 100 ihre Allzeithochs erreichten):
Chile (ECH; 5,10 %)
Peru (EPU; 4,02 %)
Kolumbien (GXG; 0,32 %)
Mexiko (EWW; 0,21 %)
Argentinien trotz relativer Schwäche mit Bärenfalle
Der Länder-ETF von Argentinien (ARGT) notiert 1,83 % unter dem Schlusskurs vom 19. Februar, zeigt damit aktuell relative Schwäche im Bereich Lateinamerika auf, auch wenn der Trend immer noch aufwärts gerichtet ist. Der ARGT-ETF erhält zwar auch den Tagesstempel “Kaufen oder Aufstocken”, erhält aber nicht das Gütesiegel “Trendfolgend kaufbar”. Der Grund dafür liegt darin, dass wir im Tageschart zuletzt kein höheres Tief sahen, jedoch nach Ausbildung eines tieferen Tiefs (10. März) eine Reversal-Bewegung erfolgte, die das tiefere Hoch vom 6. März am vergangenen Freitag per Schlusskurs überschreiten konnte, womit wir im Chart eine Bärenfalle ausmachen können. Trader könnten nun davon ausgehen, dass wir in Kürze ein höheres Tief ausbilden werden, womit auch Argentinien wieder für Trendfolge-Trader interessant werden könnte.
Steht Brasilien vor der Beendigung des Bärenmarktes ?
Der Länder-ETF von Brasilien (EWZ) notiert 0,95 % unter dem Schlusskurs vom 19. Februar, kann mit dem Kursanstieg vom Freitag aber mit dem Tagesstempel “Unter Beobachtung” hochgestuft werden, nachdem wir zuvor 10 Handelstage in Folge den Tagesstempel “Abwarten oder auf Sell-Off spekulieren” vergeben hatten.
Zwischen 25,60 und 26,60 US-Dollar lässt sich im EWZ-Chart eine wichtige horizontale Widerstandszone einzeichnen, in die der EWZ-ETF am Freitag eingetreten ist (Schlusskurs war bei 25,84 US-Dollar). Sollte diese Zone in Kürze überwunden werden, dann könnte der brasilianische Aktienmarkt den Anfang 2024 begonnenen Bärenmarkt endlich beenden.
Was sehen wir unter dem Radar der großen US-Aktienindizes ?
Aktuell erhalten 5 von 60 beobachteten Sektor-, Branchen- und Themen ETFs den Tagesstempel “Kaufen oder Aufstocken”. Das entspricht einer Quote von 8,3 % (in der Vorwoche lag diese Quote bei 18,3 %).
Von den 5 Sektor-, Branchen- und Themen ETFs, die den Tagesstempel “Kaufen oder Aufstocken” erhalten, werden 4 ETFs vom Marktradar für diesen Montag als “Trendfolgend kaufbar” eingestuft. In der Vorwoche erhielten ebenfalls 4 ETFs das Gütesiegel “Trendfolgend kaufbar”.
Sektor-, Branchen- und Themen ETFs, die wir mit dem Gütesiegel “Trendfolgend kaufbar” einstufen, verfügen neben relativer Stärke zum Gesamtmarkt auch über ein im Tageschart sichtbares höheres Tief. Solange dieses nicht unterschritten wird, können Trendfolger davon ausgehen, dass in Kürze neue Verlaufhochs erreicht werden.
Wir wollen nun die 4 Sektor-, Branchen- und Themen ETFs in einer Rangliste aufzählen, die wir als “Trendfolgend kaufbar” einstufen (n Klammern wieder der prozentuale Abstand zum 19. Februar, an dem der S&P 500 und der Nasdaq 100 ihre Allzeithochs erreichten):
Silberminen (SIL; 8,42 %)
Goldminen Junior (GDXJ; 7,78 %)
Goldminen (GDX; 5,05 %)
Versicherungen (KIE; 1,70 %)
Die Rangliste unterstreicht, dass vermeintlich sichere Häfen wie Edelmetalle und Versicherungsunternehmen aktuell als trendfolgend handelbare Sektor-, Branchen- und Themen ETFs übrig geblieben sind.
Damit könnten wir durchaus nun ein relevantes Verlauftief bei Risk-On Branchen wie Technologie (XLK) und zyklisch anfälligen Konsum- und Industrieunternehmen (XLY und XLI) innerhalb des S&P 500 gesehen haben.
In der Vorwoche sind noch die 3 klassischen Risk-Off Sektor-, Branchen- und Themen ETFs Baiskonsumgüter (XLP), Pharma (IHE) und Gesundheit (XLV) in der Rangliste aufgetaucht, diese sind jedoch allesamt seit Montag an der Wall Street nach unten geprügelt worden, womit sich unterhalb des Radars eines fallenden S&P 500 bereits vor dem Freitag abgezeichnet hat, dass eine zumindest kurzfristige Sektorrotation hin zu Risk-On unmittelbar bevorsteht.
Diese kam dann am Freitag nach 16 Uhr – wie oben bereits erwähnt, erst nachdem neue Daten zum Verbrauchervertrauen in den USA veröffentlicht wurden und die so schlecht ausgefallen sind. Damit sahen wir ein klassisches “Buy The Bad News”, was auch durch das bärische Sentiment gemäß der wöchentlichen Umfrage der Association of Individual Investors (AAII) unterstrichen wird. Bis zum Mittwoch wurden nur noch 19,1 Bullen im US-Markt gesichtet, während die Umfrage von 59,2 % Bären dominiert wurde.
Trendfrüherkennungssignale am US-Aktienmarkt
Wir sehen nun aktuell tatsächlich einige Trendfrüherkennungssignale für die Long-Seite, diese kommen aus folgenden 5 Branchen (in Klammern der Abstand zum letzten höheren Tief im Tageschart und das Datum, an dem das Tief aufgetaucht ist):
Kupferminen (COPX; 8,56 % – 10. März)
Stahl (SLX; 6,66 % – 10. März)
Biotech (XBI; 3,49 % – 11. März)
Lithium und Batterietechnologie (LIT; 3,33 % – 11. März)
Stromversorger (XLU; 2,82 % – 12. März)
Trader, die nach antizyklischen Einstiegen suchen, könnten nun nach Chancen bei Einzelaktien aus diesen Bereichen suchen – in der Annahme, dass das in der vergangenen Woche im Tageschart ausgebildete tiefere Hoch bei den genannten ETFs für eine längere Zeit nicht mehr unterschritten wird.
Gold ist in den Zielbereich vieler Gold-Bullen hineingelaufen
Der Goldpreis setzte seinen Höhenflug fort und kratzt aktuell an der psychologisch wichtigen 3.000 US-Dollar Marke je Unze. Dabei profitierte Gold von der Angst vor einem Handelskrieg und einer durch Trumps Zollpolitik erzwungenen geldpolitischen Lockerung der US-Notenbank Federal Reserve. Auch die zunehmenden geopolitischen Spannungen und die große Nachfrage nach mit Gold hinterlegten ETFs haben den Run auf das Edelmetall zuletzt angetrieben. Seit Jahresbeginn knackte der Goldpreis dreizehn Mal in Folge seine Rekordmarken.
Switchen Trader nun wieder von Gold zu Bitcoin ?
Wir gehen davon aus, dass das kurzfristige Potenzial bei Gold nun erschöpft ist und Trader wieder von Gold zu Bitcoin switchen, wie wir das auch schon von Oktober bis Dezember 2024 im gegenläufigen Sinne gesehen haben. Von Oktober bis Dezember 2024 stieg der Bitcoin um fast 50 %; Gold konnte in dieser Phase keinen Wertzuwachs erreichen. Seit dem 19. Februar hat sich wieder eine deutliche Divergenz bei Gold (GLD) und Bitcoin (IBIT) in der Wertentwicklung gebildet. Der GLD-ETF konnte seit dem 19. Februar um 1,6 % zulegen. Der IBIT-ETF verlor hingegen seit dem Allzeithoch im S&P 500 satte 11,9 % an Wert.
Assets fern von Aktien
Aktuell verwundert es nicht, welche Assets fern von Aktien gemäß unserem Marktradar-Modell als Trendfolgend kaufbar eingestuft werden: Gold (GLD), Kupfer (HG) und Silber (SI). Der Preis von Kupfer orientiert sich weniger am von Donald Trump in Gang gesetzten Zollstreit, sondern vielmehr an der Industrieproduktion in China, das immer noch der größte Hauptabnehmer von Kupfer ist. Der Kupfer-Future konnte am Donnerstag ein neues 10-Monats-Hoch ausbilden.
Short-Reversal Signale bei Kaffee und Erdgas
Kaffee seit dem 13. Februar mit Preisrückgang
Am 13. Februar erreichte der Kaffee-Future sein letztes Preishoch, das nun womöglich über mehrere Jahre nicht mehr angelaufen werden wird.
Rohstoffpreise sind Mean-Reversion-Märkte, laufen mittelfristig also immer wieder zu ihrem Mittelwert zurück.
Am 12. März hat sich das bereits dritte tiefere Hoch seit dem 13. Februar im Tageschart für den Kaffee-Future (KC) ausgebildet, so dass Spekulanten – ähnlich wie beim Preis für Kakao (CC) – auf der Short-Seite mehr Chancen als auf der Long-Seite sehen dürften.
Die Kaffeepreise wurden am Freitag durch einen Bericht von Marex Solutions belastet. Demnach wird erwartet, dass sich der globale Überschuss für Kaffee in der Saison 2025/26 deutlich gegenüber 2024/25 erhöhen wird. Werden für 2024/2025 voraussichtlich 200.000 Säcke mit Kaffeebohnen ausgeliefert, so soll diese Zahl 2025/26 auf 1,2 Millionen Säcke steigen – ein enormer Überschuss, der den Preis für Kaffee nach unten ziehen wird.
Ein negativer Faktor für Robusta-Kaffee war am Donnerstag zudem ein Bericht des vietnamesischen Statistikamts. Darin hieß es, Vietnams Kaffeeexporte stiegen im Februar im Vergleich zum Vorjahr um 6,6 % auf 169.000 Tonnen. Vietnam ist der weltweit größte Produzent von Robusta-Kaffeebohnen.
Kaffee war im Jahr 2024 enorm im Preis gestiegen (über 60 %), was vorwiegend dem Wetter zugeschrieben wird. Brasilien erlebt die trockenste Zeit seit 1981. Die Niederschlagsmenge in Brasilien liegt seit April letzten Jahres konstant unter dem Durchschnitt. Dies schädigt die Kaffeebäume während der wichtigen Blütezeit und mindert die Aussichten für Brasiliens Arabica-Ernte allerdings auch für das Jahr 2025/26. Auch Kolumbien, der zweitgrößte Arabica-Produzent der Welt, erholt sich nur langsam von der durch El Niño ausgelösten Dürre im vergangenen Jahr.
Erreichte Erdgas am 10. März sein Preishoch für die nächsten Jahre ?
Am vergangenen Montag, 10. März, kratzte der Mai-Future auf Natural Gas (NG) kurz an der psychologisch wichtigen Marke von 5 US-Dollar, erreichte damit ein Zweijahres-Hoch.
Gepusht wurde der Preis für Erdgas, weil Anzeichen dafür bestehen, dass die Erdgasspeicher in den USA vor der Sommersaison knapp bleiben könnten. Bloomberg prognostiziert, dass die US-Gasspeicher in diesem Sommer 10 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt liegen werden, damit sind die Lager so schwach gefüllt, wie seit über zweieinhalb Jahren nicht mehr.
Auch wenn schwache Lagervorräte stützend auf den Erdgas-Preis wirken, könnten Trader nun mittelfristig mit fallenden Preisen bei Erdgas rechnen, auch wenn noch einiges für weiter steigende Preise für Erdgas spricht – hier vor allem der wachsende Stromverbrauch in den USA: Das Edison Electric Institute berichtete am Mittwoch, dass die gesamte Stromproduktion der USA in der Woche bis zum 8. März im Vergleich zum Vorjahr um 7,8 % auf 77.360 Gigawattstunden gestiegen ist. Im 52-Wochen-Zeitraum bis zum 8. März stieg die US-Stromproduktion im Vergleich zum Vorjahr um 3,35 % auf 4.237.406 GWh. Ein positiver längerfristiger Faktor für die Erdgaspreise war bisher, dass US-Präsident Donald Trump den von Joe Biden veranlassten Genehmigungsstopp für Gasexporte aufgehoben hat. Seither wird ein Rückstand von etwa einem Dutzend LNG-Exportprojekten aktiv geprüft. Erhöhte US-Kapazitäten für den LNG-Export würden die Nachfrage nach US-Erdgas ebenfalls steigern und die Erdgaspreise stützen.
Wir gehen nun aber trotz dieser den Erdgas-Preis stützenden Faktoren davon aus, dass mit einer Befriedung des Russland-Ukraine-Konfliktes auch der Preis für Erdgas fallen dürfte, da es mittelfristig zu einer Entspannung nicht nur zwischen den USA und Russland, sondern auch zwischen Europa und Russland kommen könnte.
Trader können eventuell noch einen Rebound bis in den Bereich von 4,50 US-Dollar im Natural Kupfer Mai-Future abwarten, bevor sie Erdgas beginnen zu shorten. Als erstes Trading-Ziel konnte der Bereich um 3,80 US-Dollar anvisiert werden.
Agrarrohstoffe und Zucker nun Long handeln ?
Trendfrüherkennujngssignale auf der Long-Seite sehen wir aktuell für die Agrar-Rohstoffe Mais (ZC), Sojabohnen (ZS), Weizen (ZW) und auch für der wie Kaffee und Kakao als “Soft” klassifizierte Zucker (SB).
Verweisen US-Staatsanleihen nun auf eine Umgehung der Rezession ?
Trendfrühererkenningssignale auf der Short-Seite sehen wir aktuell hingegen bei US-Staatsanleihen mit Laufzeiten 7 – 10 Jahre (IEF) beziehungsweise 20 Jahre oder länger (TLT). Das wirkt etwas kontraintuitiv, weil viele Marktteilnehmer im Moment eigentlich auf fallende statt steigende Zinsen in den USA wetten, was bullisch für den Bond-Markt wäre.
Man kann das vielleicht auch so interpretieren: Im Vergleich zum Aktienmarkt zeigt sich der Anleihemarkt aktuell deutlich weniger pessimistisch, was das Rezessions-Risiko angeht. Und wenn es um die Vorwegnahme künftiger Entwicklungen geht, dann haben in der Vergangenheit Anleihen oft, aber nicht immer, die Wette für sich entscheiden können.
Saisonale Idee der Woche: Tongcheng Travel
Tongcheng Travel (WKN: A2N9FG; Marktkapitalisierung: 5,3 Mrd. Euro) ermöglicht es Privatpersonen in China Hotelübernachtungen im Internet zu buchen. Das Unternehmen erzielt über 80 % seines Umsatzes mit Reservierungen für Unterkünfte und Fahrkartenverkauf. Der Rest stammt aus Werbung und dem Verkauf eigener Software.
Die Plattform bietet sowohl Online- als auch Offline-Dienste in Form von Callcentern an. Tongcheng Travel entstand 2018 aus der Fusion von Tongcheng Network und eLong. Derzeit gehört das Unternehmen zu etwa je 20 % zu Tencent und Trip.com. Tongcheng konzentriert sich auf Reisen in kleinere Städte in China und wird auch größtenteils von Usern genutzt, die nicht in Großstädten wie Peking oder Shanghai wohnen.
Das Unternehmen konkurriert mit Trip.com, Alibabas Fliggy und Meituan.
Laut einer saisonalen Mittelwert-Analyse durchläuft die Aktie vom 15. März bis zum 20. April ihre stärkste Phase im Jahr.
Schauen wir mal, wie sich die Aktie vom 17. März bis zum 20. April in den vergangenen 4 Jahren entwickelt hat.
Vom 17. März bis zum 20. April 2024 stieg die Aktie um mehr als 11 % an der Börse in Frankfurt. Ein optimierter Exit hätte 5 Tage zuvor, am 15. April, erfolgen können. Dann hätte unser Season-Trader einen Gewinn von 15 % erzielen können.
Vom 17. März bis zum 20. April 2023 stieg die Aktie um mehr als 18 % an der Börse in Frankfurt. Ein optimierter Exit hätte 3 Tage zuvor, am 17. April, erfolgen können. Dann hätte unser Season-Trader einen Gewinn von 20 % erzielen können.
Vom 17. März bis zum 20. April 2022 stieg die Aktie um fast 30 % an der Börse in Frankfurt. Ein optimierter Exit hätte etwa zwei Wochen später, am 3. Mai, erfolgen können. Dann hätte unser Season-Trader einen Gewinn von 34 % erzielen können.
Vom 17. März bis zum 20. April 2021 stieg die Aktie um etwa 40 % an der Börse in Frankfurt. Dabei erwies sich der 20. April als ein nahezu optimaler Exit.
Uns liegen hier also exzellente Wertentwicklungen für diese Aktie im Zeitraum 17. März bis zum 20. April für die letzten 4 Jahre vor, so dass sich ein Einstieg genau jetzt aus saisonalen Gründen anbietet.
Die Aktie hat sich seit Oktober seitwärts entwickelt, pendelt an der Börse Frankfurt etwas lustlos zwischen 2 und 2,40 Euro. Am Freitag schloss die Aktie bei 2,26 Euro, also etwa in der Mitte dieser Range.
Tongcheng Travel wird am 20. März, also an diesem Donnerstag, neue Geschäftsergebnisse vorlegen. Wegen des guten Laufs zwischen Mitte März und Mitte April in dieser Aktie planen wir, die Aktie vor den Quartalszahlen zu kaufen und maximal bis zum 20. April zu halten.
Trades aus der vergangenen Woche im Musterdepot und weiteres geplante Vorgehen
In der vergangenen Handelswoche haben wir wieder Trades durchgeführt. Interessierte können die Trades auf wikifolio.com verfolgen, indem sie zum Beispiel im Suchfeld “Marktradar” eingeben.
Das wikifolio “Marktradar” gewann in der vergangenen Handelswoche 2,33 %, liegt seit Jahresbeginn mit 5,2 % im Minus.
Dass wir die Woche mit einem Plus abschließen konnten, verdanken wir vor allem unseren VIX Future Short Produkten. Montag und Dienstag haben wir sukzessiv alle VIX Future Long Produkte verkauft, so dass wir seit Mittwoch ausschließlich Vola-Short positioniert sind. Zugleich kamen wir am Montag und Dienstag günstig bei gehebelten Vola-Short Produkten mit einem tiefen Kauflimit rein, was auch maßgeblich zur guten Performance in der vergangenen Handelswoche beigetragen hat. Aktuell sind wir ausschließlich Vola Short positioniert, profitieren also von einem Rückgang der Volatilität.
Als Aktien-Favoriten für 2025 halten wir die europäischen Aktien 2G Energy, Camurus, Kontron, PVA Tepla, Raiffeisen Bank International.
Im Rahmen unserer Dauerläufer-Strategie “Defensiv von Links Unten nach Rechts oben” halten wir die Aktien von W.R. Berkley Corporation, Louisiana Pacific Corp., Parker Hannifin Corporation, Tyler Technologies, Churchill Downs, BWX Technologies, Brown & Brown, Stryker Corp., Ensign Group, Costco Wholesale, MercadoLibre, Waste Management, Broadridge Financial Solutions, Hartford Financial Services Group, Mastercard, Alphabet, Paychex, Intercontinental Exchange, Church & Dwight, TransDigm.
Für unser Trading von saisonalen Chancen halten wir Call-Discount-Zertifikate auf Siemens Healthineers, Call-Optionsscheine auf Micron Technology und Coloplast, die Aktien von Primoris Service Corp., Porr AG, Beijer, Meituan. Wir planen, die Aktie von Tongcheng Travel zu kaufen.
Als Earnings-Trade halten wir aktuell nur die Aktie von McCormick.
Im Rahmen von Short-Trades halten wir eine Short-Positionen auf den Nasdaq 100. Die Short-Position auf den S&P 500 haben wir am Montag verkauft. Wir behalten uns vor, sowohl im Nasdaq 100 als auch im S&P 500 weitere Short-Positionen zu kaufen.
Im Rahmen des Handels von Assets fern von Aktien halten wir aktuell zehn ETPs auf Kryptowährungen: Bitcoin (BTC), Tron (TRX), Ripple (XRP), Ethereum (ETH), Solana (SOL), Sui (SUI), Cardano (ADA), Polkadot (DOT), Ondo (ONDO), Chainlink (LINK). Wir planen nun Short-Einstiege in Futures auf Kaffee und Natural Gas.
Hinweis:
Gemäß §34 WpHG weise ich darauf hin, dass die Kolumne “Marktradar” ausschließlich Informationszwecken dient und in keinem Fall Empfehlungen zum Kauf von Aktien oder anderen Wertpapieren darstellen. Ich gebe hier ausschließlich meine eigene Meinung wieder und berate niemanden. Die hier vorgetragenen Ideen können vom Autor aktiv in seinen privaten Depots (inklusive wikifolios) umgesetzt werden oder auch nicht. Interessenkonflikte können in jedem Fall und jederzeit bestehen. Auch wenn ich die Kolumne nach bestem Wissen und Gewissen schreibe, können jederzeit Fehler auftauchen. Die Haftung für Vermögensschäden, die aus der Nutzung der von mir veröffentlichten Ausführungen für eine Anlageentscheidung resultieren können, ist kategorisch ausgeschlossen. Ich lehne jegliche Haftung für allfällige Verluste oder Schäden irgendwelcher Art ab, die direkt oder indirekt durch die Benutzung des Inhalts entstehen.
Seit 2014 ist Stefan Pröhl bei wikifolio aktiv. Dort setzt er Rotationsmodelle auf Wochen-, Monats- oder Quartalsbasis um.
Die Idee zum Marktradar ist entstanden, weil ihm bisher ein vernünftiges Modell fehlte, mit dem er sich täglich einen schnellen Überblick verschaffen kann, in welche Sektoren und Branchen gerade Kapital hineinfließt und aus welchen gerade Kapital abgezogen wird.
Mit dem von ihm entwickelten “Marktradar” kann er täglich für jeden Sektor bzw. jede Branche fünf Tagesstempel vergeben: “Kaufen oder Aufstocken”, “Buy the dip ?”, “Bodenbildung oder Seitwärts”, “Abwarten oder auf Sell Off spekulieren”, “Unter Beobachtung”.
Diese “Top Down” Analyse gibt ihm täglich wichtige Hinweise und Tipps zur Intermarketanalyse. Mit dem Schreiben dieser Kolumne dokumentiert er auf hoffentlich auch etwas unterhaltsame Weise die Tipps und Hinweise, die ihm der Marktradar liefert.
Mit jedem Wissen entsteht auch Unwissen. Nur so kann Stillstand, Leere, Einrosten im Kopf verhindert werden. Täglich gibt es Neues zu entdecken und täglich werden Überzeugungen revidiert. Das ist das Mindset, dem auch diese Kolumne folgt.