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Marktradar vom 27. Mai 2024

Marktradar vom Montag, 27. Mai 2024




Wir sehen drei mögliche Gründe für Anstiege bei der Volatilität im Juni



Heute haben die US-Börsen wegen des “Memorial Day” geschlossen. Jedes Jahr am letzten Montag im Mai gedenken die US-Amerikaner an die für das Vaterland im Krieg gefallenen Soldaten. 

In der verkürzten Handelswoche stehen keine wichtigen Wirtschaftsdaten an, so dass Impulse aus der Makroökonomie nicht zu erwarten sind. Jedoch werden am Donnerstag drei Notenbankchefs von FED-Regionalbanken sprechen. Der Notenbankchef von Atlanta, Raphael Bostic, der Notenbankchef von New York, John Williams, und die Notenbankchefin von Dallas, Lorie Logan. 

Falls diese Reden überhaupt einen Einfluss auf die großen US-Aktienindizes haben werden, so sollten Anleger eher davon ausgehen, dass diese sich dämpfend auf den Markt auswirken. Für die FED-Sitzungen am 12. Juni und am 31. Juli erwarten augenblicklich 90 bis 99 % der Befragten, dass die Zinsen unverändert gelassen werden. Für die FED-Sitzung am 18. September erwartet knapp die Hälfte der Befragten, dass die Zinsen um 25 Basispunkte gesenkt werden. Sollte am Donnerstag von den beiden Notenbankchefs Bostic und Williams und der Notenbankchefin Logan auch nur einmal das Wort Zinserhöhungen in den Mund genommen werden, dann könnten die großen US-Börsenindizes für den Moment einen Knick nach unten erfahren. Euphorische Sprünge in den großen US-Börsenindizes wären daher eher am Mittwoch oder Freitag, nicht unbedingt am Donnerstag zu erwarten.

Bei einem Blick auf die von der American Association of Individual Investors am Mittwoch veröffentlichte Erhebung über die Stimmung und Positionierung der US-Privatanleger fiel uns auf, dass die Neutral-Positionierten wieder unter 27 % gefallen sind. Im Gegenzug sind sowohl die Bullen und Bären gestiegen, wobei sich die Schere insgesamt zugunsten der Bullen verbreitert hat. 

Bei den im US-Markt neutral Positionierten stellen Werte unter 27 % in diesem Jahr bisher die Tiefpunkte dar und solche wurden nur am 31. Januar und am 6. März gemessen. In der Handelswoche, die auf diese Messungen folgte, konnte der S&P 500 jeweils leichte Zugewinne erzielen.

Wir erwarten für die kommende Woche ebenfalls einen etwas unschlüssigen, in der Tendenz aber nach oben ausgerichteten US-Markt.

Der CBOE Volatility Index (VIX), auf den wir in der Kolumne vom 20. Mai ausführlich eingegangen sind, ist am Donnerstag kurzfristig kräftig angestiegen, schloss am Freitag aber wieder unter 12 – Schlussstand am Freitag: 11,93. Da wir nicht erwarten, dass der VIX sich in diesem Jahr unter 12 festsetzen wird, können Volatilitäts-Trader sich weiterhin im Trading von Vola-Long Produkten versuchen, wie wir das auch im bei wikifolio.com geführten Musterdepot, das diese Kolumne begleitet, seit vergangener Woche tun. 

Wir erwarten für den nächsten Monat Juni eher eine steigende als fallende Vola, was bedeuten würde, dass der Juni etwas volatiler und insgesamt zackiger als der Mai verlaufen wird. Mögliche Gründe für Anstiege bei der Volatilität im Juni sehen wir bei folgenden drei Themen 

1.) Unerwartete Äußerungen der FED zu Zinserhöhungen 

2.) Kriegerische Zuspitzungen in der Ukraine, Taiwan oder Gaza

3.) Ausfall von CMBS-Anleihen

 

  1. Jerome Powell denkt bei der FED Sitzung am 12. Juni über mögliche Zinserhöhungen nach. Wir halten das für unwahrscheinlich, aber nicht für unmöglich. Falls beispielsweise der von der Fed von Atlanta veröffentlichte GDP-Now Indikator bis dahin für das zweite Quartal ein Wachstum im US-Bruttoinlandsprodukt von mehr als 4 % erwartet – die letzte Prognose (Stand Freitag) war 3,5 % – könnte Jerome Powell wieder das Wort Zinserhöhungen in den Mund nehmen.
  2. Das geopolitische Säbelrasseln zwischen Russland und dem Westen, China und den USA in Bezug auf Taiwan sowie zwischen Israel und der Hamas spitzt sich weiter zu und beginnt nun nicht mehr nur die Bürger aller Staaten und Länder, sondern auch die Börsen zu ängstigen.
  3. Hypothekenbesicherte Anleihen zu Gewerbeimmobilien, im Englischen häufig als CMBS (Commercial Mortgage Backed Securities) abgekürzt, haben jüngst negative Schlagzeilen erzeugt, die Investoren im Juni an die Finanzkrise 2008 erinnern könnten. Seit diesem Monat gibt es dafür nämlich einen handfesten Präsedenzfall, der sich an einem Gebäude in New York manifestiert hat: Zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2008 müssen CMBS-Investoren im Mai 2024 Verluste hinnehmen, die in Anleihen mit Top-Rating investiert sind, welche eine Besicherung mit gewerblichen Immobilienkrediten aufweisen. Die Käufer des AAA-Teils einer 308-Millionen-US-Dollar-Anleihe, die durch die Hypothek auf das 1740-Broadway-Gebäude in Midtown Manhattan besichert ist, erhielten Anfang des Monats weniger als drei Viertel ihrer ursprünglichen Investition zurück, nachdem die Anleihe mit einem starken Abschlag verkauft worden war. Nach Angaben von Barclays ist dies der erste derartige Verlust seit 2008. Marktbeobachter sagen, dass die Tatsache, dass der Schmerz bis hinauf zu den hochrangigen AAA-Bondinhabern reicht, ein Beweis dafür ist, wie groß die Notlage in Teilen des US-amerikanischen Gewerbeimmobilienmarktes inzwischen geworden ist. Anleihen, die durch einzelne Hypotheken gesichert sind und an ältere Bürogebäude mit einem Hauptmieter gebunden sind – wie das zum Beispiel beim 1740 Broadway Gebäude in New York der Fall ist -, wären besonders anfällig. Einige Analysten sagen bereits weitere Verluste voraus, da immer mehr Kredite zu einem Bruchteil ihres früheren Wertes verkauft werden. “Jetzt, wo die ersten Commercial Mortgage Backed Securities betroffen sind, werden auch andere AAA-Anleihen Verluste erleiden”, sagte Lea Overby, CMBS-Strategin bei Barclays gegenüber Bloomberg.



Was sehen wir unter dem Radar der großen US-Aktienindizes ?

 

Aktuell erhalten 36 von 60 beobachteten Sektor-, Branchen- und Themen ETFs den Tagesstempel “Kaufen oder Aufstocken”. Das entspricht einer Quote von 60 % (in der Vorwoche lag diese Quote bei 85 %).

Von den 36 Sektor-, Branchen- und Themen ETFs, die den Tagesstempel “Kaufen oder Aufstocken” erhalten, werden 22 ETFs vom Marktradar für diesen Montag als trendfolgend kaufbar eingestuft. In der Vorwoche erhielten 45 ETFs dieses Gütesiegel.

Die Musik spielte in der vergangenen Woche neben Aktien aus dem Bereich Künstlicher Intelligenz und Semiconductor (dank wie gewohnt starker Quartalszahlen von Nvidia) vor allem im Bereich Energiedienstleister (insbesondere Aktien aus dem Megatrend Smart Grid). Außerdem konnten sich Aktien, die im Bereich Kryptowährungen aktiv sind, zumindest behaupten. Der ETF für Bitcoin-Mining (WGMI) wird seit Dienstag, 21. Mai, vom Marktradar wieder mit dem Tagesstempel “Kaufen oder Aufstocken” bewertet und erhält gleichzeitig das Gütesiegel “Trendfolgend kaufbar”.

Während Investoren und Trader im Bereich Semiconductor nun durchaus damit liebäugeln könnten, ein paar Gewinne aus diesem Bereich zu realisieren oder sich sogar vereinzelt Short zu positionieren, sehen wir im Bereich Smart Grid noch viel Momentum, das erst noch darauf wartet, von der breiten Masse entdeckt zu werden. Bei den Kryptowährungen sorgte am Donnerstag die Meldung, dass die SEC einen Etherum Spot-ETF noch in diesem Jahr genehmigen könnte, für eine abwartende Haltung bei den Krypto-Fans. Warum keine Euphorie aufkam, erklären wir weiter unten.

Wir wollen nun zwei Aktien vorschlagen, die für ein Short Manöver im Bereich Semiconductor interessant wären.

Danach wollen wir eine Aktie vorstellen, die vom Megatrend Smart Grid profitieren könnte.

Anschließend gehen wir noch auf die mögliche Phantasie bei Ethereum ein, nachdem bekannt wurde, dass ein Spot-ETF auf Ethereum von der SEC genehmigt werden könnte.



Welche Semiconductor-Aktien könnte man nun shorten ?

 

Texas Instruments

 

Die Aktie von Texas Instruments (TXN; Marktkapitalisierung: 180 Mrd. US-Dollar) konnte am Donnerstag von den Nvidia-Quartalszahlen nicht profitieren. Im Gegenteil: Während Nvidia am Donnerstag um über 9 % stieg, verlor die Aktie von Texas Instruments am Donnerstag 2,6 % an Wert. 

Ist das nun eine Steilvorlage für eine Short-Attacke, oder nicht ?

Charttechnisch fiel die Aktie von Texas Instruments am Donnerstag unter die Marke von 200 US-Dollar, welche am Mittwoch erstmals überschritten werden konnte. Folgerichtig sahen wir in der Aktie am Mittwoch ein Allzeithoch. Nun können Trader darauf spekulieren, dass ein nochmaliges Übersteigen der 200 US-Dollar Marke, das zu einem neuen Allzeithoch führen würde, noch etwas Zeit in Anspruch nehmen könnte. 

Saisonal hat sich die Aktie in der Zeit vom 30. Mai bis zum 27. Juni schwach entwickelt, diese Zeitphase gehört historisch zu den schwächsten in der Aktie. Trader können mit einer Stopp-Loss-Absicherung knapp über 200 US-Dollar auf eine Korrektur in der Texas Instrument-Aktie spekulieren, die bis Ende Juni anhalten könnte.

Was macht das in Dallas ansässige Halbleiterunternehmen ?

Das Auslieferungssortiment von Texas Instrument besteht aus zehntausend unterschiedlichen Halbleiterprodukten. Das Unternehmen verkauft sowohl vorgefertigte als auch maßgeschneiderte Produkte. Letztere sind nach speziellen Kundenwünschen gefertigt und werden für gewöhnlich direkt an den Kunden verkauft. TI Analog-Chips werden in einer Vielzahl von elektronischen Geräten eingesetzt, deren Palette von tragbaren Ultraschallgeräten bis hin zu Settop-Boxen reicht, von eBooks bis Data Center, und von der Robotik bis zu LED-Straßenleuchten. Auch viele Taschenrechner, für die die ersten TI-Chips in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts gebaut wurden, enthalten weiterhin TI-Chips. 

Zuletzt versuchte Texas Instruments im Markt E-Mobilität stärker Fuß zu fassen. Auf der Homepage von Texas Instrument heißt es: “Wir sind bestrebt, die richtigen analogen und eingebetteten Verarbeitungsprodukte sowie umfassende Unterstützung bereitzustellen, die Sie für die Entwicklung elektrifizierter Autos der nächsten Generation benötigen.”

Im Bereich Data Center bietet Texas Instruments Chips an, die auf Leistungsdichte und Effizienzsteigerung abzielen. Diese werden auf Systemebene für Rack- und Server-Anwendungen angeboten.

Für den Bau von neuen Werken, die die Produktion von TI-Chips ankurbeln sollen, will das Unternehmen bis 2026 etwa 5 Mrd. US-Dollar jährlich investieren. Es ist wichtig zu bedenken, dass es sich bei den Halbleitern von Texas Instruments um relativ einfache Chips handelt, die dabei helfen, physische in digitale Ereignisse umzuwandeln. Sie stecken in nahezu jedem Gerät und haben lange Produktzyklen und eine sehr lange Haltbarkeit. Im Bereich der Hochleistungs-Chips, wie sie von Nvidia designt werden, ist Texas Instruments nicht aktiv und will es unseres Wissens nach auch nicht werden.



Intel

 

Ähnlich schwach wie Texas Instruments präsentierte sich am Donnerstag die Aktie von Intel (INTC; Marktkapitalisierung: 130 Mrd. US-Dollar). Aber während Texas Instruments seit Mitte April um fast 25 % zulegen konnte, verlor die Intel-Aktie seit Mitte April mehr als 15 %. 

Die Gründe für den Abverkauf der Intel-Aktie liegen seit dem 20. Mai offen zu Tage. Microsoft und andere Hersteller von Windows-PCs kündigten nämlich am vergangenen Montag neue Laptops an, die bereits bei Auslieferung mit Funktionen der künstlichen Intelligenz umgehen können. Dabei setzen sie alle auf Chips von Qualcomm – nicht mehr auf Chips von Intel oder Advanced Micro Devices. Explizit ging es darum, dass auf einer Microsoft-Konferenz Tablets und Laptops vorgestellt wurden, auf denen KI-Software wie der virtuelle Assistent Copilot von Microsoft ausgeführt werden kann. Neben Microsofts eigenen Surface-PCs betrifft dieses auch KI-PCs von Firmen wie Dell, HP, Lenovo und zahlreichen anderen. Auch diese Hardware-Firmen werden von neuen Qualcomm Snapdragon-Prozessoren und den KI-spezialisierten „neuronalen Prozessor“-Chips angetrieben. Qualcomm ist nun also auf dem besten Weg, die KI-Hardware-Führungsrolle im PC-Bereich zu übernehmen.

Wir würden nun Qualcomm ebenso wenig wie Nvidia shorten wollen, da diese zu den Gewinnern der KI-Revolution zählen. Den alten Chip-Platzhirschen aus dem PC-Geschäft, Intel und Advanced Micro Devices, wurde nun der Garaus gemacht. Dieser Fausschlag wird den Unternehmenslenkern von Intel und Advanced Micro Devices noch lange in den Knochen sitzen.

Allerdings ist Intel weiterhin bestrebt, in Supercomputern das schnellste KI-System der Welt bauen zu wollen, das auf offene Forschung ausgerichtet ist. Fragt sich natürlich nur, wann Intel damit Geld verdienen kann. Die nächsten Quartalsergebnisse dürften die alten Messlatten nicht mehr erreichen, da das PC-Geschäft einen großen Bereich auf der Einnahmenseite des Unternehmens dargestellt hat. Jetzt drohen hohe Gewinneinbußen, die das Unternehmen in den nächsten Quartalen auch managen muss – das heißt, Kapitalerhöhungen wären nicht ausgeschlossen.

Die Intel-Aktie fiel am Donnerstag unter die 30 US-Dollar Marke, konnte diese aber am Freitag zurückerobern.

Neue Quartalsergebnisse bei Intel werden für Ende Juli erwartet. Saisonal würden wir gemäß historischer Rückschau die Intel-Aktie erst Anfang August wieder in eine starke zeitliche Phase eintreten sehen, ab der wir dieser Aktie eine Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt zutrauen könnten. Leerverkäufer könnten auf eine schwache Kursentwicklung der Intel-Aktie bis zu den nächsten Quartalszahlen spekulieren und bei dem nächsten Rutsch unter die 30 US-Dollar Marke einsteigen.



Smart-Grid ist der Megatrend der Stunde

 

Die einzigen Branchen-ETFs, die am Freitag ein neues 3-Monats-Hoch erreichten, sind der Global Clean Energy Ishares ETF (ICLN) und der Nasdaq Green Energy ETF (QCLN). Das kommt für uns nicht von ungefähr. Der Bereich Green Energy wird endlich bei vielen Aktienhändlern wieder salonfähig, nachdem in den vergangenen vier Jahren eher Aktien aus dem Öl- und Gas-Bereich auf den Kauflisten der global agierenden Fondsmanager standen. Wir vom Marktradar glauben, dass wir nun einen Paradigmenwechsel sehen, der wieder Aktien aus dem Bereich erneuerbarer Energie gegenüber Aktien mit Schwerpunkt fossiler Energien den Vorzug gibt.

Was bedeutet Smart Grid ?

In einem Smart Grid verbindet moderne Kommunikationstechnik die verschiedenen Teile des Energiesystems wie die Stromerzeugung und den Stromverbrauch und stimmt diese aufeinander ab. So kann erneuerbare Energie besser in das Stromnetz integriert und das Netz optimal ausgelastet werden. Richtig smart (intelligent) wird ein solches Netz aber erst, wenn innerhalb des Netzes ein Informationsaustausch erfolgt, mit dessen Hilfe die Stromerzeugung, der Verbrauch und die Speicherung dynamisch gesteuert werden können.

Um so ein Smart-Grid an die zu erwartende hohe Energienachfrage anzupassen, müssen Investitionen jetzt erfolgen und sollten nicht auf später verschoben werden. Viele Versorger benötigen zusätzliche Übertragungsleitungen und Umspannwerke, um sie an ein Smart-Grid anschließen zu können. Auch werden Versorger zunehmend daran interessiert sein, Dienstleister damit zu beauftragen, dass die Smart Grids möglichst energieeffizient, möglichst resistent, möglichst schnell und womöglich auch KI-gesteuert ablaufen.



First Solar 

 

Die Aktie von First Solar (FSLR; Marktkapitalisierung: 30 Mrd. US-Dollar) ist allein in der vergangenen Handelswoche um 40 % gestiegen. Dieser Kurssprung ist aber wohl in erster Linie auf die am 21. Mai von US-Präsident Joe Biden geäußerte Entscheidung zurückzuführen, Zölle auf chinesische Importe zu erhöhen, einschließlich einer deutlichen Erhöhung der Zolltarife für chinesische Solarzellen. Berichte von der Woche zuvor deuteten bereits darauf hin, dass die Biden-Regierung plant, in diesem Jahr einen Zoll von 50 % auf chinesische Solarzellen zu erheben, gegenüber den vorherigen 25 %. Der Schritt zielt darauf ab, den Zustrom billiger, subventionierter chinesischer Produkte einzudämmen, die den Weltmarkt überschwemmt haben. Da First Solar fast ausschließlich in den USA produziert, wird das Unternehmen nun indirekt vom Staat subventioniert.

US-Hersteller von Solarmodulen, wie First Solar einer ist, dürften zwar von den erhöhten Zöllen auf chinesische Konkurrenzprodukte profitieren, sind aber nicht die eigentlichen Profiteure für die Smart-Grids, die nun fit für die Zukunft gemacht werden sollen. Diese sehen wir eher im Dienstleistungs- als im Stromlieferungsbereich.

Trader sollten einen Rücklauf der Aktie auf mindestens 250 US-Dollar abwarten, bevor sie nach einem Einstieg suchen. Aktien, die politisch hochgetrieben werden, fallen kurz danach häufig in sich zusammen. Das muss bei First Solar nun nicht unbedingt so kommen. Wir meinen aber, dass es interessantere Aktien gibt, die vom Megatrend Smart Grid profitieren werden.

Wir wollen nun einen möglichen Smart-Grid Profiteure näher unter die Lupe nehmen:



Ameresco

 

Die Ameresco Inc. (AMRC; Marktkapitalisierung: 1,8 Mrd. US-Dollar) gilt als einer der bekanntesten Anbieter von Energiesparprodukten in den USA. Ameresco bietet Energieeffizienzlösungen aber auch in Europa an. Das Unternehmen wurde erst im Jahr 2000 gegründet und bezeichnet sich selbst als führender Cleantech-Integrator und Entwickler, Eigentümer und Betreiber von Anlagen für erneuerbare Energien.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf Projekten zur Reduzierung des Energieverbrauchs sowie auf Betriebs- und Wartungsarbeiten, die für Regierungs-, Bildungs- und Versorgungseinrichtungen sowie anderen, wie etwa dem Gesundheitswesen, angeboten werden. Ameresco vertreibt außerdem Solarenergieprodukte und -systeme wie Solarmodule, Solarregler, Solarladeregler, Wechselrichter, solarbetriebene Beleuchtungssysteme, solarbetriebene Wasserpumpen, Montagezubehör für Solarmodule und andere Systemkomponenten.

Großen Anklang findet Ameresco im unternehmenseigenen Energy-as-a-Service-Modell (EaaS), das es Kunden ermöglicht, ohne große vorab benötigte Kapitalkosten die eigenen Smart Grids zu modernisieren. Solche budgetneutralen Lösungen beseitigen finanzielle Hürden, die traditionell den Ausbau von Energieeffizienz- und erneuerbaren Energieprojekte behindern.

In der vorigen Handelswoche berichtete Ameresco über zwei neue Aufträge: Am Montag kündigte das Unternehmen ein 21-Millionen-Dollar-Projekt an, um die Stadt Henderson, Nevada, bei der Modernisierung ihrer Straßenbeleuchtung zu unterstützen, einschließlich der Umstellung von 30.000 Straßenlaternen auf LEDs. Später wurde bekannt gegeben, dass das Unternehmen einen Vertrag über 249 Millionen US-Dollar (sowie einen langfristigen Servicevertrag) für ein Batteriespeicherprojekt in England abgeschlossen hatte. Ameresco geht davon aus, dass das Batterieprojekt im Jahr 2026 den Betrieb aufnehmen wird. Auch wenn diese beiden Projekte für Ameresco kurzfristig keine Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn haben werden, so sind diese doch ein ermutigendes Zeichen dafür, dass es dem Unternehmen gelingt, Projekte durch seinen umfangreichen Auftragsbestand voranzutreiben. Der Auftragsbestand soll sich aktuell bei unglaublichen 4,1 Milliarden US-Dollar belaufen, was allein schon mehr als doppelt so viel wie die aktuelle Marktkapitalisierung des Unternehmens abdeckt.

Analysten erwarten für die nächsten drei Jahre einen fast fünfmal so hohen Gewinnanstieg wie in den vergangenen fünf Jahren erwirtschaftet werden konnte.

Das aktuelle KGV liegt bei 24. Das aktuelle KUV liegt nur bei 1. Bereits 2026 dürfte das KGV auf 11 gesunken sein. Von 2023 auf 2026 rechnen die Analysten für Ameresco mit einem Anstieg beim Gewinn pro Aktie von etwa 150 %. Und berücksichtigt man den hohen Auftragsbestand, so erscheint ein KGV von 11 für 2026 eigentlich eher konservativ gerechnet.

Die Aktie konnte seit den letzten Quartalszahlen, die am 7. Mai veröffentlicht wurden, bereits um über 50 % steigen. Wir glauben aber, dass es sich nur um den Beginn einer nun erst in Fahrt kommenden Aufwärtsbewegung handelt. Immerhin meldete das Unternehmen am 7. Mai für das erste Quartal noch einen Verlust von 0,10 US-Dollar pro Aktie und hat die Erwartungen für 2024 zugleich etwas nach unten korrigiert. 

Wir sehen in der Aktie noch viel Luft nach oben. Saisonal wäre ein Einstieg Anfang Mai zwar der ideale Einstiegspunkt gewesen – auch gemäß historischer Rückbetrachtung – aber ein Einstieg Anfang oder Mitte Juni würde aus Sicht des Marktradars immer noch hohes Aufwärtspotential bedingen. 

Aktuell sollte vielleicht ein kleiner Rücksetzer im Chart abgewartet werden, denn die Aktie ist kurzfristig schon ziemlich heiß gelaufen. Kurse zwischen 30 und 32 US-Dollar sind für uns klare Kaufkurse – Schlusskurs am Freitag: 33,96 US-Dollar.



Ist Ethereum bald wie Bitcoin als SPOT-ETF handelbar ?

 

Am 23. Mai hat die Securities and Exchange Commission (SEC) den Anträgen zum Ethereum Spot-ETF mehrerer Vermögensverwalter zugestimmt. Das geht aus öffentlichen Dokumenten der Behörde hervor.

So erteilte die US-Wertpapieraufsicht insgesamt acht Antragstellern grünes Licht: Grayscale, Bitwise, BlackRock, Fidelity, VanEck, Ark/21Shares, Franklin Templeton, Invesco Galaxy. Alle warteten schon lange auf die Zulassung.

Experten betonen jedoch: Die Genehmigungen betreffen zunächst die “19b-4”-Anträge. Das sind im Grunde Absichtserklärungen einer Börse (in diesem Fall die New York Stock Exchange) ein Finanzprodukt bei sich zu listen. Dem hat die SEC nun stattgegeben.

In den kommenden Wochen dürfte dann auch der eigentliche “S-1”-Antrag von BlackRock, Fidelity und Co. genehmigt werden.

Dass die SEC einem Ethereum Spot-ETF grünes Licht gibt, galt bis vor kurzem noch als unwahrscheinlich. Die SEC brachte am 20. Mai aber mit gegenteiligen Signalen die Gerüchteküche in Schwung.

Ob die Etherum Spot-ETFs genauso ein Erfolg werden, wie die im Januar zugelassenen Bitcoin Spot-ETFs, bleibt abzuwarten. Wir vom Marktradar glauben das nicht, weil der Bitcoin von Portfoliomanagern als ein eigenes Asset, dem Gold dabei nicht unähnlich, gehandelt wird, während Ethereum als an der Wall Street handelbares Produkt eher den Anstrich eines aufstrebenden Small-Cap Unternehmens aus dem Russell 2000 haben dürfte. Die Nachfrage nach Ethereum-Spot-ETFs dürfte bei Portfoliomanagern daher deutlich geringer als beim Bitcoin sein. 

Noch während der ersten Gerüchte, die am Morgen des 20. Mai in Umlauf kamen, stieg der Ethereum-Preis über 3.000, was von den Krypto-Tradern sofort als prozyklisches Kaufsignal verstanden wurde. Ethereum verteuerte sich am Montag um knapp 20 %. Von Dienstag bis Freitag hat sich im Chart von Ethereum nicht viel getan, so dass Trader nun erstmal abwarten sollten. Wir sind in Ethereum im Musterdepot über einen in Deutschland handelbaren ETF schon länger investiert und werden das vorerst auch bleiben.



Trades aus der vergangenen Woche im Musterdepot und weiteres geplante Vorgehen

 

In der vergangenen Handelswoche haben wir einige Trades durchgeführt, dabei haben wir uns sowohl von Positionen verabschiedet als auch neue Positionen aufgesetzt. Interessierte können die Trades auf wikifolio.com verfolgen, indem sie zum Beispiel im Suchfeld “Marktradar” eingeben.

Wir sind vom Schwerpunkt her weiter in Aktien investiert, die von der KI-Revolution profitieren und dem Bereich Gold- und Silberminen zuzuordnen sind. Im Megatrend Smart Grid sind wir momentan in acht Aktien investiert: Constellation Energy, Eaton Corp., Emerson Electric, NRG Energy, Quanta Services, Sunrun, Vistra Energy, Willdan Group. Wir planen in den nächsten Wochen das Thema Smart Grid noch höher zu gewichten.

Verkauft haben wir Jenoptik und Advanced Drainage Systems, wobei wir hier Wiedereinstiege nicht ausschließen wollen.

Wir sind über einen Optionsschein Short im USD und Long im JPY gegangen.

Als Earning Trades halten wir aktuell nur die Aktie Columbus McKinnon New York. Das Unternehmen wird am 29. Mai vorbörslich neue Quartalszahlen vorlegen.

Im Rahmen unseres Trendfolge Set-Ups folgen wir aktuell folgenden vier Aktien: Church & Dwight, Eldorado Gold, Interactive Brokers, Krones.

Über Faktor-Zertifikate sind wir die Volatilität Long gegangen und haben bereits Teilgewinne realisiert. 

 

Hinweis:

Gemäß §34 WpHG weise ich darauf hin, dass die Kolumne “Marktradar” ausschließlich Informationszwecken dient und in keinem Fall Empfehlungen zum Kauf von Aktien oder anderen Wertpapieren darstellen. Ich gebe hier ausschließlich meine eigene Meinung wieder und berate niemanden. Die hier vorgetragenen Ideen können vom Autor aktiv in seinen privaten Depots (inklusive wikifolios) umgesetzt werden oder auch nicht. Interessenkonflikte können in jedem Fall und jederzeit bestehen. Auch wenn ich die Kolumne nach bestem Wissen und Gewissen schreibe, können jederzeit Fehler auftauchen. Die Haftung für Vermögensschäden, die aus der Nutzung der von mir veröffentlichten Ausführungen für eine Anlageentscheidung resultieren können, ist kategorisch ausgeschlossen. Ich lehne jegliche Haftung für allfällige Verluste oder Schäden irgendwelcher Art ab, die direkt oder indirekt durch die Benutzung des Inhalts entstehen.



Seit 2014 ist Stefan Pröhl bei wikifolio aktiv. Dort setzt er Rotationsmodelle auf Wochen-, Monats- oder Quartalsbasis um.

Die Idee zum Marktradar ist entstanden, weil ihm bisher ein vernünftiges Modell fehlte, mit dem er sich täglich einen schnellen Überblick verschaffen kann, in welche Sektoren und Branchen gerade Kapital hineinfließt und aus welchen gerade Kapital abgezogen wird.

Mit dem von ihm entwickelten “Marktradar” kann er täglich für jeden Sektor bzw. jede Branche fünf Tagesstempel vergeben: “Kaufen oder Aufstocken”, “Buy the dip ?”, “Bodenbildung oder Seitwärts”, “Abwarten oder auf Sell Off spekulieren”, “Unter Beobachtung”.

Diese “Top Down” Analyse gibt ihm täglich wichtige Hinweise und Tipps zur Intermarketanalyse. Mit dem Schreiben dieser Kolumne dokumentiert er auf hoffentlich auch etwas unterhaltsame Weise die Tipps und Hinweise, die ihm der Marktradar liefert.

Mit jedem Wissen entsteht auch Unwissen. Nur so kann Stillstand, Leere, Einrosten im Kopf verhindert werden. Täglich gibt es Neues zu entdecken und täglich werden Überzeugungen revidiert. Das ist das Mindset, dem auch diese Kolumne folgt.

WF MR 20240527

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