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Marktradar vom 3. Juni 2024

Marktradar vom Montag, 3. Juni 2024

 

Die Rebalancing-Aktivitäten am 31. Mai sprechen für steigende Kurse bei US-Aktien

Die letzten zwanzig Minuten im Wonnemonat Mai hatten es an der Wall Street in sich. Die großen US-Aktienindizes setzten am vergangenen Freitag, 31. Mai, ab 21:40 Uhr deutscher Zeit zu einem Turbo-Sprint an, der bei US-Aktien zu 20 Minuten Kaufrausch par excellence führte.

Weil der letzte Handelstag eines Monats diesmal auf einen Freitag fiel, wollten institutionelle Investoren, die einmal im Monat rotieren (das meint nur einmal im Monat in ihren Portfolios umschichten), alle durch das gleiche zeitliche Nadelöhr. 

Es ist bekannt, dass Rotationsmodelle vermehrt zum Tagesschluss, Wochenschluss oder Monatsschluss und nicht zu Tagesbeginn, Wochenbeginn, Monatsbeginn umgesetzt werden. Am vergangenen Freitag fiel der Wochenschluss und der Monatsschluss auf einen Tag. Das führte zu einer Häufung von Rotations-Aktivitäten.

Dass dieses fast als manisch zu bezeichnende Festhalten an einem bestimmten Umschichtungstermin nicht an Relevanz verloren hat, konnten wir am Freitag in aller Deutlichkeit sehen.

Natürlich hätten auch alle zu gleicher Zeit in einen Verkaufsrausch statt in einen Kaufrausch geraten können. Das wäre dann der Fall gewesen, wenn sich die Rotierer entschieden hätten, ihre Aktienpositionen zu reduzieren oder Aktien zu Juni-Beginn gegenüber anderen Assets weniger hoch als noch im Mai zu gewichten.

Schauen wir uns die Bewegungen der letzten 20 Handelsminuten im Mai einmal im Detail an und setzen diese in Relation zu der jeweiligen Jahresperformance:

Der Dow Jones Industrial Average Index (DIA) stieg in den letzten 20 Handelsminuten am Freitag um 0,83 %.

Der S&P 500 (SPY) stieg in den letzten 20 Handelsminuten am Freitag um 0,91 %.

Der Nasdaq 100 (QQQ) stieg in den letzten 20 Handelsminuten am Freitag um 0,89 %.

Der Russell 2000 (IWM) stieg in den letzten 20 Handelsminuten am Freitag um 0,63 %.

Setzt man diese Schlussspurt-Gewinne in Relation zur Performance seit Jahresanfang, dann kommt man auf folgende Ratio-Ergebnisse:

Der Dow Jones Industrial Average Index (DIA) konnte seit Jahresanfang um 2,83 % steigen. Damit konnte er 29,3 % von diesem Anstieg in den letzten 20 Handelsminuten des Monats Mai erzielen. Die Schlussspurt/Jahresperformance Ratio beträgt also 29 Basispunkte (0,83 : 2,83 = 0,29).

Der S&P 500 konnte seit Jahresanfang um 10,95 % steigen. Damit konnte er 8,3 % von diesem Anstieg in den letzten 20 Handelsminuten des Monats Mai erzielen. Die Schlussspurt/Jahresperformance Ratio beträgt 8 Basispunkte (0,91 : 10,95 = 0,08).

Der Nasdaq 100 konnte seit Jahresanfang um 10,06 % steigen. Damit konnte er 8,8 % von diesem Anstieg in den letzten 20 Handelsminuten des Monats Mai erzielen. Die Schlussspurt/Jahresperformance Ratio beträgt 8 Basispunkte (0,89 : 10,06 = 0,08).

Der Russell 2000 konnte seit Jahresanfang um 2,52 % steigen. Damit konnte er 25 % von diesem Anstieg in den letzten 20 Handelsminuten des Monats Mai erzielen. Die Schlussspurt/Jahresperformance Ratio beträgt 25 Basispunkte (0,63 : 2,52 = 0,25).

Damit wird deutlich, dass die letzten 20 Handelsminuten mehr vom Rebalancing-Effekt getragen wurden als von einer direktionalen Richtungsentscheidung. Denn die Underperformer Dow Jones Industrial Average Index und Russell 2000 wurden im Vergleich zu den Outperformern S&P 500 und Nasdaq 100, gemessen an der Jahresperformance, in den Portfolios sogar aufgestockt.

Schauen wir uns nun die letzten 20 Handelsminuten vom Freitag in anderen Assetklassen an.

Der Goldpreis (GLD) konnte in den letzten 20 Handelsminuten um 0,23 % steigen, wobei der Kaufrausch nicht bis zur Schlussglocke anhielt, sondern bereits um 21:50 Uhr deutscher Zeit abebbte. 

Der Goldpreis konnte seit Jahresanfang um 12,62 % steigen. Damit konnte er 1,8 % von diesem Anstieg in den letzten 20 Handelsminuten des Monats Mai erzielen. Die Schlussspurt/Jahresperformance Ratio beträgt 1,8 Basispunkte (0,23 : 12,62 = 0,018).

Wir können also konstatieren, dass Rotierer nicht gewillt waren, Gold in gleich hohem Maße aufzustocken wie Aktien.

Der ETF für US-Staatsanleihen mit Laufzeiten 20 Jahre und länger (TLT) konnte in den letzten 20 Handelsminuten um 0,27 % steigen, wobei der Kaufrausch hier zwar bis zur Schlussglocke anhielt, allerdings zwischen 21:50 und 21:55 Uhr deutscher Zeit pausierte.

Der ETF für US-Staatsanleihen mit Laufzeiten 20 Jahre und länger (TLT) verlor seit Jahresanfang 8,53 % an Wert. Damit lässt sich keine Schlussspurt/Jahresperformance Ratio für den TLT-ETF berechnen. Dass der TLT-ETF aber immerhin in den letzten 20 Handelsminuten gekauft wurde, lässt darauf schließen, dass Investoren positive Renditen mit US-Staatsanleihen noch nicht gänzlich abgeschrieben haben. Einen starken Willen, Bonds nun gegenüber Aktien höher zu gewichten, lässt sich aus den letzten 20 Handelsminuten im Mai jedoch nicht ablesen.

Der Ishares Bitcoin Trust ETF (IBIT) konnte in den letzten 20 Handelsminuten um 0,18 % steigen, wobei in den letzten 5 Handelsminuten der Großteil der Gewinne, die in den 15 Minuten zuvor erzielt wurden, wieder abgegeben wurden. Hier sahen wir also keinen Sprint bis zur Schlussglocke.

Der Ishares Bitcoin Trust ETF (IBIT) gewann seit Auflegung am 11. Januar 37,97 % an Wert. Damit konnte er 0,47 % von diesem Anstieg in den letzten 20 Handelsminuten des Monats Mai erzielen. Die Schlussspurt/Jahresperformance Ratio beträgt 0,47 Basispunkte (0,18 : 37,97 = 0,0047). Damit sahen Investoren sich nicht genötigt, den Bitcoin gegenüber anderen Assetklassen zu Juni-Beginn höher zu gewichten.

Der US Brent Oil ETF (BNO) setzte nur in den letzten 5 Handelsminuten zu einem Sprint an. In den letzten 20 Handelsminuten stieg er um 0,10 %. 

Der US Brent Oil ETF (BNO) konnte seit Jahresanfang um 11,39 % steigen. Damit konnte er 0,87 % von diesem Anstieg in den letzten 20 Handelsminuten des Monats Mai erzielen. Die Schlussspurt/Jahresperformance Ratio beträgt dürftige 0,87 Basispunkte (0,10 : 11,39 = 0,0087).

Investoren waren also beim Ölpreis noch weniger als beim Goldpreis gewillt, ihre Positionen aufzustocken.

Betrachtet man aus dieser “Guckloch” Perspektive das zeitliche Nadelöhr, durch das Investoren ihr Rebalancing betrieben, so fällt auf, dass Aktien weiterhin die erste Wahl für den Monat Juni darstellen.

Interessant wäre es natürlich, nun auch die Sektoren-, Branchen- und Themen-ETFs aus dieser Guckloch Perspektive zu betrachten. Wir haben das getan und sind fündig geworden. Dazu unten gleich mehr.

Wir können nach dieser Guckloch-Schau nun konstatieren, dass institutionelle Investoren immer noch gewillt sind, bei US-Aktien aufzustocken. Die Billionen US-Dollar, die immer noch in Geldmarktfonds stecken, dürften im Juni weiterhin bevorzugt in die Aktienmärkte fließen.

Was sehen wir unter dem Radar der großen US-Aktienindizes ?

Aktuell erhalten 29 von 60 beobachteten Sektor-, Branchen- und Themen ETFs den Tagesstempel “Kaufen oder Aufstocken”. Das entspricht einer Quote von 48,3 % (in der Vorwoche lag diese Quote bei 60 %).

Von den 29 Sektor-, Branchen- und Themen ETFs, die den Tagesstempel “Kaufen oder Aufstocken” erhalten, werden 14 ETFs vom Marktradar für diesen Montag als trendfolgend kaufbar eingestuft. In der Vorwoche erhielten 22 ETFs dieses Gütesiegel.

Das Gütesiegel “Trendfolgend kaufbar” erhalten folgende 14 ETFs: Aus dem Bereich Erneuerbare Energien inklusive Wind und Solar vier ETFs: (CLEAN, QCLN, FAN, TAN), aus dem Bereich Finanzen die Banken (XLF), aus dem Bereich Konsum der Einzelhandel und Gaming & Sport (XRT, ESPO), aus dem Bereich Technologie nur Digitale Kommunikation und Semiconductor (XLC und SMH), aus dem Bereich Öl- und Gas nur die Öl- und Gasproduzenten (XOP), aus dem Bereich Rohstoffe nur Uran (URA). Außerdem die ETFs mit den Themen Datacenter REITs (DTCR), Holz- und Forstwirtschaft (WOOD) und Schifffahrt (BOAT). 

Bei Gold-, Silber- und Kupferminenaktien ist nun etwas Geduld angesagt

Die zuletzt trendstarken Aktien aus den ETFs für den Bereich Gold-, Silber- und Kupferminen (GDX, GDXJ, SIL, COPX) werden für diesen Montag nicht als trendfolgend kaufbar eingestuft. 

Der ETF für den Goldpreis (GLD) hat am Freitag per Tagesschluss das höhere Tief vom 23. Mai unterschritten, was auf eine Fortsetzung der Korrekturbewegung in den nächsten Tagen schließen lässt. Die Goldminen-ETFs (GDX und GDXJ) haben am Freitag jedoch über dem Zwischentief vom 23. Mai geschlossen. Aus Risk-On / Risk Off Perspektive ist somit alles in Ordnung, weil die riskantere Anlageklasse Goldminen aktuell relative Stärke zur defensiven Anlageklasse Goldpreis entwickelt. Sobald die Goldminen-ETFs das tiefere Hoch vom 28. Mai überrennen, dürfte das auch den Goldpreis mit nach oben ziehen. 

Wir raten dazu, Goldminenaktien im Depot zu belassen und geduldig auf die nächste Aufwärtswelle zu warten, die aber noch etwas auf sich warten lassen könnte.

Bei US-Versorgeraktien sind die Bullen wieder am Ruder

Auch der zuletzt enorm starke ETF für die Versorger (XLU) wird vom Marktradar aktuell nicht als trendfolgend kaufbar eingestuft. Der Grund liegt in dem tieferen Tief, das der XLU-ETF am Mittwoch, 29. Mai im Tageschart ausgebildet hat. Am Donnerstag und Freitag ist aber eine relativ wuchtige Reversal-Bewegung gestartet, die die Bullen schon wieder das Ruder übernehmen lässt. Wir halten es für ausgemacht, dass der XLU-ETF bald Kurs auf das Allzeithoch vom September 2022 (73,97 US-Dollar) nehmen wird; mit dem Schlusskurs vom Freitag ist der XLU-ETF nur noch 1,7 % von diesem entfernt. 

Wir sind weiterhin bullisch für den Versorger-Bereich gestimmt, weil der Megatrend Smart-Grid diesen für mehrere Jahre im Fokus der Anleger stehen lassen dürfte – wir haben im Marktradar vom 27. Mai ausführlich über Smart Grid als Anlagetrend berichtet. Wir favorisieren letztendlich nicht die Unternehmen, die den Strom erzeugen, sondern die Unternehmen, die als Dienstleister für die Modernisierung von Smart-Grids in Erscheinung treten. Wir erinnern uns: Beim Goldrausch verdienten nicht die Goldgräber das meiste Geld, sondern die Schaufel- und Baggerverkäufer. Das wird bei dem “Stromrausch” nicht anders sein, auf den wir in den nächsten Jahren nicht verzichten können, um massenweise Elektroautos, humamoide Roboter und eine dem Menschen dienende Künstliche Intelligenz um uns scharen zu können.

Börsianer sollten die traditionelle Sicht auf US-Aktien aus dem Bereich Versorger ablegen, denn KI, Robotik und Elektromobilität werden in naher Zukunft einen deutlich höheren Strombedarf pro Tag verlangen, viel höher, als wir es uns aktuell wohl vorstellen können. Das lässt die ursprünglich langweiligen Versorger-Aktien nun in einem ganz neuen Licht erscheinen. Statt als Dividendenpapiere in Konkurrenz zu festverzinslichen Anlagen zu treten, könnten Versorger-Aktien nun in einem Atemzug mit KI-Profiteuren genannt werden. Vermutlich dürften Versorger-Aktien in den nächsten Jahren deutlich höhere KUVs und KGVs als in der Vergangenheit zugestanden werden. Eine Rückschau auf den Mittelwert im KGV oder KUV in den vergangenen zwanzig Jahren dürfte womöglich schon in wenigen Monaten zu Verzerrungen beim Versuch führen, eine realistische Bewertung und damit realistische Kursziele für diese Aktien abzugeben – wie beispielsweise für die Aktien Nextera Energy (NEE; Gewichtung im XLU-ETF: 14,97 %), Southern Co. (SO; Gewichtung im XLU-ETF: 7,96 %) oder Duke Energy (DUK; Gewichtung im XLU-ETF: 7,27 %), die aktuell die drei am höchsten gewichteten Aktien im XLU-ETF sind. 

Wir wissen aktuell einfach noch nicht, welche Versorger von der Stromnachfrage durch die KI stark profitieren werden. Vieles wird nämlich davon abhängen, in welchen US-Bundesstaaten die Rechenzentren gebaut werden, weil die US-Versorger allesamt regionale Versorger sind. Wegen der US-Präsidentschaftswahlen dürften Entscheidungen über die Standorte wohl auf die Zeit nach der Wahl verlegt werden.

Outside-Reversal Kaufsignale 

Infolge des Rebalancing-Effektes, der vermehrt zu Aufstockungen bei Aktien geführt hat, können wir in einigen Tagescharts nun Candlesticks verorten, die am Freitag ein sogenanntes Outside-Reversal vollzogen haben. Das bedeutet, dass wir intraday zwar ein tieferes Tief verorten, auf Schlusskursbasis das letzte höhere Tief aber verteidigt werden konnte. Diese Aktien könnten am Montag, falls wir bei Aktien aus diesen Bereichen Kaufdruck sehen, zu einer mehrtägigen Rebound-Rallye starten. 

Wir wollen uns nun auf ETFs und Aktien konzentrieren, wo wir am Freitag mustergültige Outside-Reversals gesehen haben.

Kaufen Momentum-Trader nun nach ?

Eine Outside-Reversal-Kerze sehen wir im USA Momentum Ishares Edge ETF (MTUM). Das letzte höhere Tief sichten wir im MTUM-ETF am 14. Mai (182,65 US-Dollar). Dieses wurde am 31. Mai intraday zwar unterschritten, konnte aber während des Schlussspurts rasant zurückerobert werden (Schlusskurs am Freitag: 186,60 US-Dollar, also 2,16 % über dem Intraday-Tief vom 14. Mai).

Das sieht nun wirklich wie eine Steilvorlage für steigende Aktienkurse aus – insbesondere von solchen, die bereits ein hohes Momentum ausweisen.

Outside-Reversal-Kaufsignal bei Netflix

Die Aktie mit der höchsten Gewichtung im MTUM-ETF ist Nvidia (NVDA; Marktkapitalisierung: 2,7 Billionen US-Dollar). In der Nvidia-Aktie sahen wir am Freitag kein Outside-Reversal, daher ist diese Aktie für eine Reversal-Bewegung nun nicht die erste Wahl. 

Geht man die Liste der im MTUM-ETF gehaltenen Aktien von der Gewichtung absteigend durch, so sehen wir als erstes in der Aktie von Netflix (NFLX; Marktkapitalisierung: 275 Mrd. US-Dollar) ein mustergültiges Outside-Reversal Kaufsignal. Das letzte höhere Tief sichten wir in der Netflix-Aktie am 23. Mai (630 US-Dollar). Dieses wurde am 31. Mai intraday zwar unterschritten, konnte aber während des Schlussspurts rasant zurückerobert werden (Schlusskurs am Freitag: 641,62 US-Dollar, also 1,84 % über dem Intraday-Tief vom 23. Mai).

Aktien aus China und Hongkong: Ist die Korrektur beendet ?

Outside-Reversal Kaufsignale sehen wir in drei ETFs, die Aktien aus China und Hongkong enthalten (EWH, FXI, KWEB). Nehmen wir als Beispiel einmal den KS CSI China Internet ETF (KWEB). In diesem sehen wir ein eher verstecktes Outside-Reversal Kaufsignal. Das letzte höhere Tief sichten wir im KWEB-ETF am 8. Mai (29,17 US-Dollar). Dieses wurde am 31. Mai intraday zwar unterschritten, konnte aber während des Schlussspurts zurückerobert werden (Schlusskurs am Freitag: 29,20 US-Dollar, also 0,10 % über dem Intraday-Tief vom 8. Mai).

Sehen wir in der Nacht von Sonntag auf Montag in Hongkong, Shanghai und Shenzhen einen steigenden Aktienmarkt, könnten Trader am Montag durchaus bei Aktien aus China aktiv werden.

Outside-Reversal-Kaufsignal bei Tencent Holdings

Die am höchsten gewichtete Aktie im KWEB-ETF ist Tencent Holdings (WKN: A1138D; Marktkapitalisierung: 400 Mrd. Euro). Das letzte höhere Tief sichten wir in der Tencent-Aktie ebenfalls am 8. Mai (42,70 Euro). Dieses wurde am 31. Mai intraday zwar unterschritten, konnte aber während des Schlussspurts zurückerobert werden (Schlusskurs am Freitag: 42,90 US-Dollar, also 0,47 % über dem Intraday-Tief vom 8. Mai).

Wir haben in unserem Aktienuniversum nach weiteren Aktien gescreent, die am Freitag ein Outside-Reversal ausgebildet haben. Dabei fiel uns auf, dass zahlreiche Aktien aus dem Bereich Semiconductor ein solches Kaufsignal am Freitag ausgebildet haben. Wir werden gleich fünf Aktien aus dem Semiconductor-Bereich aufführen, bei denen wir ein solches Umkehrsignal am Freitag entdeckt haben. Danach stellen wir noch drei Aktien vor, bei denen wir einen Einstieg zu Juni-Beginn aufgrund der Umkehr-Bewegung am Freitag für interessant erachten.

Outside-Reversal-Kaufsignale bei Semiconductor Aktien

Wir fanden drei Aktien aus dem Semiconductor-Bereich, die ein mustergültiges Outside-Reversal Kaufsignal am Freitag ausgebildet haben:

  1. Applied Materials (AMAT; Marktkapitalisierung: 180 Mrd. US-Dollar)
  2. Lam Research (LRCX; Marktkapitalisierung: 120 Mrd. US-Dollar)
  3. Micron Technology (MU; Marktkapitalisierung: 138 Mrd. US-Dollar)

Ein nicht ganz mustergültiges Outside-Reversal Kaufsignal, dafür aber mit auffälliger Rebound-Bewegung, sahen wir bei zwei weiteren Aktien aus dem Semiconductor-Bereich:

  1. Synopsys (SNPS; Marktkapitalisierung: 85 Mrd. US-Dollar)
  2. Cadence Design Systems (CDNS; 77 Mrd. US-Dollar). 

Wir stufen das Outside-Reversal Signal bei diesen beiden Aktien als nicht ganz mustergültig ein, weil der Schlusskurs am Freitag in den beiden Aktien jeweils noch knapp unter dem Tief des letzten höheren Tiefs schloss. Dieses Manko wird aber durch eine kräftige Umkehr-Bewegung am Freitag wettgemacht.

Trader können nun am Montag in diesen fünf Aktien einen Einstieg wagen und den Stopp-Loss knapp unter dem Tagestief vom vergangenen Freitag platzieren.

Eaton Corp.: Smart-Grid-Profiteur mit mustergültigem Outside Reversal Kaufsignal

Die in Irland beheimatete, aber an der New York Stock Exchange gehandelte Aktie Eaton Corp. (ETN; Marktkapitalisierung: 133 Mrd. US-Dollar) konnte am Freitag ein mustergültiges Outside Reversal Kaufsignal ausbilden. Das letzte höhere Tief sichten wir in der Eaton-Aktie am 17. Mai (326,71 US-Dollar). Dieses wurde am 31. Mai intraday zwar unterschritten, konnte aber während des Schlussspurts rasant zurückerobert werden (Schlusskurs am Freitag: 332,85 US-Dollar, also 1,88 % über dem Intraday-Tief vom 17. Mai).

Die weltweit tätige Eaton Corporation entwickelt, produziert und verkauft Systeme, Applikationen und Produkte für die Energie- und Fahrzeugindustrie. Das breit gefächerte Angebots- und Produktspektrum des Unternehmens versorgt Automobilunternehmen mit elektrischem Equipment und Sicherheitstechnik, bedient die Luft- und Raumfahrtindustrie mit Kraftstoffen, Hydraulik- und Pneumatiklösungen und eine Vielzahl von Industrien mit elektrischen und hydraulischen Sicherheits- und Fertigungsprodukten. Seine Produkte vermarktet und vertreibt Eaton an Erstausstatter vorwiegend in Nordamerika und Europa sowie auf den Ersatzteilmärkten für Lastwagen, Personenfahrzeuge, Luft- und Raumfahrt sowie die Versorgungs-, Gewerbe-, Wohn-und Informationsindustrien.

Als Elektrotechnik-Konzern gilt Eaton inzwischen auch als einer der führenden Anbieter bei Komponenten für die Stromnetz-Infrastruktur wie beispielsweise Transformatoren und sollte damit vom Infrastrukturprogramm der US-Regierung weiter profitieren können, das unter anderem auch Mittel für den Ausbau und die Modernisierung der maroden Stromnetz-Infrastruktur vorsieht. Um seine Expertise rund um intelligentes Energiemanagement sinnvoll zu vervollständigen hat das Unternehmen die Übernahme von Exertherm, einem in Privatbesitz befindlichen, in Großbritannien ansässigen Anbieter von thermischen Überwachungslösungen für elektrische Geräte, getätigt. Bei Extherm handelt es sich primär um ein Software-Unternehmen, das auch für seine Expertise bei der thermischen Überwachung von Rechenzentren bekannt ist.

Sea Limited

Sea Limited (SE; Marktkapitalisierung: 35 Mrd. US-Dollar) ist ein aufstrebendes südostasiatisches E-Commerce Unternehmen mit Hauptsitz in Singapur, das am 8. Mai 2009 von Xiao Dong Li, Gang Ye und Jing Ye Chen gegründet wurde. Die Holding umfasst neben Shopping im Internet (Shopee) auch Dienste im Bereich Digital Entertainement (Garena), im Online-Gaming-Bereich (bekanntestes Spiel: “Free Fire”) und im Bereich digitaler Finanzdienstleistungen (SeaMoney).

Im Geschäftsjahr 2023 wuchs die südostasiatische Firma zweistellig mit Shopee und SeaMoney. Lediglich die Gaming-Sparte für PC- und Mobilgeräte hatte einen rückläufigen Umsatz. In den Jahren zuvor verbrannte das Unternehmen laufend Geld und konnte nie profitabel wirtschaften. Im August 2023 kündigte der CEO von Sea Limited, Forrest Li, einen Strategiewechsel an: Seine Firma wolle sich nunmehr auf Wachstum statt auf Gewinne konzentrieren. Statt über Kostensenkungsmaßnahmen versucht das Unternehmen nun durch Expansion mehr Marktanteile zu gewinnen, um damit in den einzelnen Segmenten die Profitabilität erhöhen zu können. Die dann Mitte April 2024 vorgelegten Quartalszahlen stimmten viele zuvor skeptisch eingestellte Analysten nun doch vorsichtig optimistisch:

“Ich freue mich, mitteilen zu können, dass wir 2024 mit einem starken Quartal beginnen. Alle unsere drei Geschäftsbereiche haben starkes Wachstum mit verbessertem Gewinnprofil gezeigt“, kommentierte Vorsitzender und CEO Forrest Li die Quartalsergebnisse von Sea Limited vom 14. Mai 2024. Li erklärte, dass die Sea Limited einen klaren Fahrplan für profitables Wachstum hat und auf gutem Weg ist, die Jahresprognose zu erfüllen. 

Das letzte höhere Tief sichten wir in der Sea-Aktie am 28. Mai (65,80 US-Dollar). Dieses wurde am 31. Mai intraday knapp unterschritten und die Aktie konnte darüber schließen (67,52 US-Dollar). Damit schloss die Sea-Aktie am Freitag 2,6 % über dem Intraday-Tief vom 28. Mai.

 

S&P Global Inc.

Ein nicht ganz mustergültiges Outside-Reversal Kaufsignal sahen wir am Freitag in der Aktie von S&P Global Inc. (SPGI; Marktkapitalisierung: 133 Mrd. US-Dollar). Das letzte höhere Tief sichten wir in der S&P Global-Aktie am 14. Mai (419,48 US-Dollar). Dieses wurde am 31. Mai intraday nicht ganz unterschritten: das Tagestief lag exakt 1 US-Cent darüber (419,49 US-Dollar). Von diesem Tiefpunkt aus konnte die Aktie am Freitag jedoch um fast 2 % steigen, so dass Trader nun durchaus den Startschuss für eine längere Rebound-Bewegung gesehen haben könnten. Diese Spekulation wird für diese Aktie durch die Saisonalität bestärkt, denn die Zeit vom 1. Juni bis zum 22. Juli gilt laut historischer Rückschau als die Zeitspanne, in der die Aktie die stärkste Phase des Jahres hatte.

Was macht das Unternehmen ?

S&P Global Inc. (ehemals McGraw-Hill Financial) ist einer der führenden Anbieter von Informationsdienstleistungen für kaufmännische sowie finanz- und verwaltungstechnische Bereiche. Zu den Haupttätigkeiten des Unternehmens gehören die Analyse- und Datenangebote der Ratingagentur Standard & Poors. Akteure aus dem Kapitalmarkt wie Vermögensverwalter und Investmentbanken nutzen weltweit die Kreditratings des Unternehmens. Daneben bietet die S&P Global Inc. Analysedaten für die Energie- und Agrarwirtschaft sowie für die Automobil-, Bau-, Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie an.

Trades aus der vergangenen Woche im Musterdepot und weiteres geplante Vorgehen

In der vergangenen Handelswoche haben wir einige Trades durchgeführt, dabei haben wir uns sowohl von Positionen verabschiedet als auch neue Positionen aufgesetzt. Interessierte können die Trades auf wikifolio.com verfolgen, indem sie zum Beispiel im Suchfeld “Marktradar” eingeben.

Wir sind vom Schwerpunkt her weiter in Aktien investiert, die von der KI-Revolution profitieren und dem Bereich Gold- und Silberminen zuzuordnen sind. Im Megatrend Smart Grid sind wir über mehrere Aktien investiert.

Wir haben einige Aktien gekauft, die wir im Prinzip länger halten wollen: Advanced Drainage Systems, MYR Group, Qualcomm, Robinhood Markets, Siemens Energy, UFP Technologies. Außerdem einen Call-Optionsschein auf die Aktie von Amazon. Die Amazon-Aktie ist kurz davor, eine vor drei Jahren begonnene Tassen-Formation abzuschließen. Außerdem stellte die Zeit von Ende Mai bis Ende Juli für die Amazon-Aktie in der Vergangenheit die stärkste Phase des Jahres dar.

Verkauft haben wir All For One Group, Nvidia und die beiden Fluggesellschaftsaktien Alaska Air Group und United Airlines.

Wir sind über Hebelprodukte nun Short in Mercedes-Benz und Texas Instruments positioniert. Charttechnisch stellt für Texas Instruments die runde Marke um 200 US-Dollar nun einen Widerstand dar, von dem wir nicht glauben, dass er schnell überwunden werden kann. In der vergangenen Handelswoche wurde bekannt, dass der aktivistische Investor Elliott Investment Management mit 2,5 Mrd. US-Dollar bei Texas Instruments eingestiegen ist. Im Jahr 2023 erwirtschaftete das Unternehmen nur 1,47 Dollar pro Aktie an freiem Cashflow – 77 % weniger als im Vorjahr und 76 % weniger als vor fünf Jahren. Der Cashflow 2023 liegt auch unter dem freien Cashflow pro Aktie, der auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008-2009 erwirtschaftet wurde, als der Umsatz von Texas Instruments noch 40 % unter dem heutigen lag. Elliott hat generell kein Problem damit, dass das Unternehmen die Investitionsausgaben erhöht, um künftiges Wachstum zu generieren. Aber die Umsatzerwartungen sind zuletzt nach unten korrigiert worden, was dazu führen würde, dass Texas Instruments nun Milliarden von Dollar ausgibt, nur um Überkapazität aufzubauen. Elliott verlangt von dem Unternehmen, das zu tun, was es seit Jahren tut und was die Branche tut und was die wirtschaftliche Logik gebietet – die Investitionsausgaben der Nachfrage entsprechend zu modulieren. Der Einstieg des aktivistischen Investors dürfte die Aktie kurzfristig belasten, weil dieser zu Spannungen innerhalb der Führungsebene des Unternehmens führen wird. Langfristig klingen die Forderungen von Elliott jedoch ökonomisch vernünftig. Wir sehen in der Aktie aktuell ein Korrekturpotential bis 180 US-Dollar.

Als Earning Trades halten wir aktuell die Aktien von Guidewire Software und Broadcom. Guidewire wird am 4. Juni und Broadcom am 12. Juni neue Quartalszahlen  vorlegen.

Im Rahmen unseres Trendfolge Set-Ups folgen wir aktuell drei Aktien: Eldorado Gold, Nextera Energy, Targa Resources.

Über Faktor-Zertifikate haben wir in der Assetklasse Volatilität (VIX Future) die Seiten gewechselt. Wir haben am Donnerstag alle Vola Long Produkte mit Gewinn verkauft und sind seit Freitag nun Vola Short positioniert.

Hinweis:

Gemäß §34 WpHG weise ich darauf hin, dass die Kolumne “Marktradar” ausschließlich Informationszwecken dient und in keinem Fall Empfehlungen zum Kauf von Aktien oder anderen Wertpapieren darstellen. Ich gebe hier ausschließlich meine eigene Meinung wieder und berate niemanden. Die hier vorgetragenen Ideen können vom Autor aktiv in seinen privaten Depots (inklusive wikifolios) umgesetzt werden oder auch nicht. Interessenkonflikte können in jedem Fall und jederzeit bestehen. Auch wenn ich die Kolumne nach bestem Wissen und Gewissen schreibe, können jederzeit Fehler auftauchen. Die Haftung für Vermögensschäden, die aus der Nutzung der von mir veröffentlichten Ausführungen für eine Anlageentscheidung resultieren können, ist kategorisch ausgeschlossen. Ich lehne jegliche Haftung für allfällige Verluste oder Schäden irgendwelcher Art ab, die direkt oder indirekt durch die Benutzung des Inhalts entstehen.

Seit 2014 ist Stefan Pröhl bei wikifolio aktiv. Dort setzt er Rotationsmodelle auf Wochen-, Monats- oder Quartalsbasis um.

Die Idee zum Marktradar ist entstanden, weil ihm bisher ein vernünftiges Modell fehlte, mit dem er sich täglich einen schnellen Überblick verschaffen kann, in welche Sektoren und Branchen gerade Kapital hineinfließt und aus welchen gerade Kapital abgezogen wird.

Mit dem von ihm entwickelten “Marktradar” kann er täglich für jeden Sektor bzw. jede Branche fünf Tagesstempel vergeben: “Kaufen oder Aufstocken”, “Buy the dip ?”, “Bodenbildung oder Seitwärts”, “Abwarten oder auf Sell Off spekulieren”, “Unter Beobachtung”.

Diese “Top Down” Analyse gibt ihm täglich wichtige Hinweise und Tipps zur Intermarketanalyse. Mit dem Schreiben dieser Kolumne dokumentiert er auf hoffentlich auch etwas unterhaltsame Weise die Tipps und Hinweise, die ihm der Marktradar liefert.

Mit jedem Wissen entsteht auch Unwissen. Nur so kann Stillstand, Leere, Einrosten im Kopf verhindert werden. Täglich gibt es Neues zu entdecken und täglich werden Überzeugungen revidiert. Das ist das Mindset, dem auch diese Kolumne folgt.

WF MR 20240603

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