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Marktradar vom 15. April 2024

Marktradar vom Montag, 15. April 2024

Wie werden die Börsen auf die iranischen Luftangriffe auf Israel reagieren ?

Folgen auf das starke erste Quartal bei US-Aktien nun zwei schwache Monate ?

Alle großen US-Aktienindizes und auch eine Vielzahl von Sektor-, Branchen- und Themen-ETFs erhalten für diesen Montag den Tagesstempel “Buy the Dip ?”. Das Fragezeichen hinter dem “Buy the Dip” sollte ernst genommen werden. Wir raten zu Swing-Long-Einstiegen nur, wenn wir im Tageschart ein höheres Tief beobachten können, das noch nicht unterschritten worden ist. 

Im ETF für den S&P 500 (SPY) ist am Freitag per Tagesschluss das tiefere Tief vom 4. April unterschritten worden, womit die Hoffnung auf eine kurze Konsolidierung auf hohem Niveau nun von der Furcht vor einer länger anhaltenden Korrektur abgelöst wird. 

In US-Präsidentschaftswahljahren entwickeln sich die großen US-Aktienindizes grundsätzlich positiv, allerdings lässt sich beobachten, dass auf einen starken Januar häufig eine schwache Phase im Februar und März gefolgt ist – diese fiel trotz starkem Januar in diesem Jahr aus – und bei einem starken ersten Quartal häufig eine schwache Phase April und Mai gefolgt ist – fällt diese schwache Phase in diesem Jahr etwa auch aus ?

Wir sollten im S&P 500 also eine größere, womöglich zwei Monate andauernde  Korrektur, die den SPY-ETF relativ schnell (womöglich schon heute !) die 500-USD-Dollar-Marke antesten lassen würde, nicht ausschließen (Schlusskurs am Freitag: 510,85 US-Dollar).

Am Freitag kam auch noch ein weiterer Distribution Day im ETF für den S&P 500 hinzu, sodass wir davon ausgehen müssen, dass die institutionellen Investoren, die auf Index-Ebene seit Dezember 2023 verstärkt auf der Verkäufer- und weniger auf der Käufer Seite aktiv sind, dieses Verhalten auch mit Beginn des zweiten Quartals noch nicht abgelegt haben.

Der ETF auf den Russell 2000 (IWM) hat bereits am Mittwoch (10. April) ein tieferes Tief vom 5. April unterschritten. Damit sehen wir in den Mid- und Small Caps kein Aufbäumen gegen eine drohende Korrektur im S&P 500, was grundsätzlich dazu führen würde, dass Small- und Midcaps während der Korrektur noch stärker unter Druck geraten würden als die Large Caps.

Nasdaq 100- und Growth-Aktien sind noch gefragter als Value-Aktien

Der ETF auf den Nasdaq 100 (QQQ) präsentiert sich jedoch (noch) in einem gesunden Konsolidierungsmodus. Für Mittwoch, 10. April, können wir sogar ein höheres Tief im Chart verorten, das am Freitag weder intraday noch per Tagesschluss unterschritten wurde. Bei einem Unterschreiten des höheren Tiefs vom Mittwoch (436,28 US-Dollar) dürfte der QQQ-ETF jedoch im Schlepptau des SPY-ETF und des IWM-ETF mit nach unten gezogen werden. 

Sollte es am Montag jedoch zu einer Gegenbewegung kommen, dann erwarten wir für den Nasdaq 100 die stärkste prozentuale Bewegung unter den drei hier genannten US-Aktienindizes nach oben und auch schnell neue Allzeithochs und damit ein schnelles Überschreiten der 450 US-Dollar Marke.

Für ein baldiges Ende der Korrektur spricht, dass der Russell 1000 Growth-ETF (IWF) seit Mittwoch eine deutliche relative Stärke gegenüber dem Russell 1000 Value-ETF (IWD) ausbilden konnte, was mittelfristig dafür spricht, dass Investoren ihren Fokus weiterhin auf unternehmerisches Wachstum und weniger auf eine günstige Unternehmensbewertung legen werden. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass wir nur eine temporäre Reduzierung der Growth-Positionen sehen, aber keinen Trendwechsel hin zu einer Risk-Off-Haltung.

Hat die politische Börse auch diesmal nur kurze Beine ?

Als Gründe für den schwachen Freitag an den US-Börsen wurde die Furcht vor einer Eskalation im Nahen Osten genannt, nachdem der Iran Israel mit Luftangriffen gedroht hatte – als Vergeltungsschlag gegen einen Israel zugeschriebenen Luftangriff auf die iranische Botschaft in Damaskus.

Am Wochenende hat der Iran seine Drohung wahr gemacht und erstmals in der Geschichte Luftangriffe auf Israel durchgeführt. 

Nach Angaben der israelischen Armee feuerte der Iran mehr als 300 Drohnen und etwa 30 Marschflugkörper auf Israel ab. An verschiedenen Orten in Israel wurde Raketenalarm ausgelöst. Israels Militär konnte nach eigenen Angaben “99 Prozent” der Geschosse aus dem Iran abfangen. Israels Armeesprecher Hagari dankte unter anderem Frankreich für die Hilfe bei der Abwehr des Angriffs. Frankreich verfüge über sehr gute Technologie, die zur Überwachung des Luftraums beigetragen habe. Zeitgleich wurde Israel auch aus dem Irak und von der Huthi-Miliz im Jemen attackiert. Sie hätten Israel jedoch nicht erreicht, sagte Israels Armeesprecher Hagari. Auch aus dem Libanon wurden Angriffe gemeldet. Die dortige Hisbollah-Miliz feuerte Raketen auf die israelisch besetzten Golanhöhen ab. Dabei sei laut Israels Armeesprecher niemand verletzt worden.

Politische Börsen haben bekanntlich kurze Beine – wir sahen das deutlich im ETF für Aktien aus Israel (EIS), der nach dem Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 im börslichen Handel bis zum 26. Oktober zwar um 18 % eingeknickt war, danach jedoch zu einem kräftigen und lang andauernden Sprint angesetzt hat und bereits am 14. November 2023 das Kursniveau vom Tag nach dem Terrorangriff der Hamas übersteigen konnte (also die 18 % Kursverlust negierte) und daraufhin noch über einen Zeitraum von vier Monaten um weitere 30 % steigen konnte.

Was sehen wir unter dem Radar der großen US-Aktienindizes ?

Aktuell erhalten nur noch 9 von 60 beobachteten Sektor-, Branchen- und Themen ETFs den Tagesstempel “Kaufen oder Aufstocken”. Das entspricht einer Quote von 15 % (in der Vorwoche lag diese Quote bei 46,6 %).

Alle 9 Sektor-, Branchen- und Themen ETFs, die den Tagesstempel “Kaufen oder Aufstocken” erhalten, werden vom Marktradar für diesen Montag auch als trendfolgend kaufbar eingestuft.

Zu den trendfolgend kaufbaren Sektor-, Branchen- und Themen ETFs zählen die Gold-, Silber- und Kupferminen (GDX, GDXJ, SI und COPX), Aktien aus dem Bereich Öl- und Gas (XES, XLE und XOP), Aktien aus dem Bereich Uran (URA) und aus dem Bereich Schifffahrt (BOAT).

Damit können wir konstatieren, dass der Bereich Öl und Metalle als Empfehlung für Trendfolger neben Schifffahrts-Aktien, die von steigenden Frachtraten profitieren, übrig geblieben sind.

Gold, Silber und auch Öl gerieten am Freitag unter Verkaufsdruck

Bei Gold und Silber sahen wir am Freitag jedoch ab 17 Uhr deutscher Zeit einen von hohem Handelsvolumenen begleiteten Verkaufsdruck. Noch bis 17 Uhr stiegen Goldpreis und Goldminen kräftig nach oben, ab 17:00 deutscher Zeit drehte sich das Kaufinteresse dann ruckartig in Verkaufsinteresse um. Verschwörungstheoretiker könnten jetzt neue Nahrung für den Vorwurf bekommen, dass große institutionelle Handelshäuser gezielt eine Attacke auf den Goldpreis geplant und dann am Freitag durchgeführt haben  – wir wollen uns daran nicht beteiligen, denn erste Gewinnmitnahmen bei Gold und Silber waren aus charttechnischer Sicht eigentlich überfällig gewesen.

Der impulsive Aufwärtsimpuls scheint bei Gold und Silber am Freitag nun erst einmal ausgebremst worden zu sein. Ab diesen Montag aber Gold oder Silber zu shorten, davon raten wir ab. 

Die Büchse der Pandora ist bei Gold und Silber am 1. März 2024 geöffnet worden – die westliche Welt muss nun akzeptieren, dass viele Zentralbanken dieser Welt Gold gegenüber dem US-Dollar als Krisenwährung bevorzugen.

Viele Länder ex USA sind nach den Währungssanktionen gegen Russland nicht mehr gewillt, auf den US-Dollar als eine harte Währung in Krisenzeiten zu setzen – was mittelfristig die Zentralbanken von China, Indien und viele andere Länder dazu angetrieben hat, Gold zu kaufen und zu horten. 

Seit dem 1. März 2024 können dieses Faktotum nicht nur Edelmetall-Experten in die Welt rausposaunen, sondern auch Börsianer.

Neben der Überverkauftheit in den Charts von Goldpreis und Goldminen mag auch die Saisonalität so manchen Händler am Freitag zur Gewinnmitnahme inspiriert haben. Denn ab Mitte April endet eine saisonale Stärkephase für Gold und Silber. Die nächste saisonale Kaufphase für Gold und Silber würde erst am 1. Oktober beginnen. Zwischen Mitte April und Ende September haben Gold und Silber keinen saisonalen Rückenwind mehr, was aber nicht heißen muss, dass Goldpreis und Goldminen von Mitte April bis Ende September fallen werden.

Die Hochs vom Freitag bilden für Gold und Silber nun Widerstandsmarken aus. Diese liegen im Gold-Future (GC) zwischen 2.400 und 2.450 US-Dollar, im Silber-Future (SI) zwischen 29 und 30 US-Dollar.

 

Öl wurde am Freitag trotz drohender Eskalation im Nahost-Konflikts verkauft

Der Preis für Rohöl (CL) geriet wie Gold am Freitag unter Verkaufsdruck – trotz der drohenden Eskalation im Nahost-Konflikt, was sicherlich so manchen Händler verwundert hat. Im CL-Future begann der Abverkauf eine Stunde vor Gold, also um etwa 16:00 Uhr deutscher Zeit.

 

Erdgas hielt sich am Freitag besser als Öl

Der Preis für Erdgas erfuhr am Freitag um 13:50 Uhr deutscher Zeit eine Short-Attacke, die jedoch nur etwa 30 Minuten anhielt und im Rauschen des Marktes mehr oder weniger unterging. Im Tageschart können wir für den Erdgas-Future (NG) jedoch ein Outside-Reversal ausmachen, was bedeutet, dass wir intraday zwar ein tieferes Tief verorten, auf Schlusskursbasis das letzte höhere Tief aber verteidigt werden konnte. Die entsprechende Kerze sieht im Tageschart relativ unspektakulär aus und das Handelsvolumen war – im Unterschied zu Öl oder Gold – schwächer als am Vortag. Dennoch könnte Erdgas am Montag für einen Sprint nach oben gut sein.

Der Marktradar erwartet mittelfristig einen höheren Preis für Erdgas, so dass wir im bei wikifolio geführten Musterdepot weiterhin Long im Preis für Erdgas in Form eines ETCs aufgestellt sind.

 

Europäische Aktionäre profitieren von einem erstarkenden US-Dollar gegenüber dem Euro

Die relative Stärke des US-Dollars gegenüber dem Euro wird von Forex-Händlern damit begründet, dass viele nun erwarten, dass die EZB früher als die FED die ZInsen senken wird. Europäische Aktienhändler freuen sich derzeit über ihre US-Dollarbestände und auch darüber, dass manche US-Aktien in dieser Handelswoche aus “Euro”-Sicht neue Hochs erreichten, obwohl diese US-Aktien an der New York Stock Exchange oder an der Nasdaq noch unterhalb zuletzt erreichter Hoch notieren.

 

Saudi-Arabien und China haben den Breakout Mitte der Woche nicht geschafft

Die im vergangenen Marktradar erwähnte Reversal-Bewegung für den ETF für Saudi-Arabien (KSA) können wir zwar streng genommen noch bestätigen; aber weil der Ausbruch über den Widerstand über 45 US-Dollar im KSA-ETF Mitte der Woche nicht gelungen ist und der KSA-ETF am Freitag wie viele andere Aktien weltweit unter Verkaufsdruck geraten ist, rechnen wir nun nicht mehr mit einem schnellen Ausbruch über 45 US-Dollar, so dass wir die Reversal-Chance hier vorerst nicht mehr verfolgen.

Auch dem ETF für Large-Caps aus China (FXI), in dem wir in der Vorwoche eine Reversal-Bewegung ausgemacht hatten, misslang Mitte der Woche ein Ausbruch über die Marke von 25 US-Dollar. Das am 5. April entstandene höhere Tief wurde am Freitag sogar unterschritten, so dass auch Aktien aus China nun in eine Korrektur geraten könnten, sich also womöglich nicht von US-Aktien abkoppeln können.

 

Welche Länder-ETFs sind nun noch trendfolgend kaufbar ?

Auf Länder-Ebene stuft der Marktradar aktuell noch einige Länder-ETFs aus Lateinamerika als trendfolgend kaufbar ein: Argentinien (ARGT), Kolumbien (GXG), Peru (EPU). Nur noch zwei Länder-ETFs aus Europa, Norwegen (ENOR) und Österreich (EWO), werden vom Marktradar als trendfolgend kaufbar eingestuft.

 

Zwei Aktien, die ein Eigenleben führen

Wir wollen heute auf eine Aktie aufmerksam machen, die sowohl im Bereich Öl- und Gas als auch im Bereich Schifffahrt aktiv ist und damit zwei Bereiche abdeckt, die wir aktuell als trendfolgend kaufbar einschätzen. 

Danach wollen wir eine Aktie aus dem Bildungs-Bereich vorstellen, die in Lateinamerika aktiv ist und bei der es sich aus saisonalen Gründen nun lohnen könnte, einzusteigen. Außerdem ist diese Aktie für Box-Trader und Dividendenjäger interessant.

 

Bereich Öl- und Gas sowie Schifffahrt: Tidewater

Tidewater (TDW; Marktkapitalisierung: 5 Mrd. US-Dollar) betreibt auf hoher See sogenannte Plattformversorgungsschiffe (PSVs) und Offshore-Service-Schiffe (OSVs). Diese steuern Bohrinseln an, um vor Ort notwendige Versorgungsarbeiten und Dienstleistungen verrichten zu können, die über eine andere Art und Weise nicht bewerkstelligt werden können.

Bei diesen Schiffen gibt es starke Engpässe, da in der Vergangenheit zu wenig Schiffe gebaut wurden und auf absehbare Zeit wohl auch nur sehr wenige nachgebaut werden können. Der aktuelle Auftragsbestand für neue PSVs und OSVs befindet sich auf einem historischen Tiefstand. Die Kapazitäten bei den Werften liegen nur noch bei einem Bruchteil dessen, wo sie während des Hochpunkts für den Schiffbau Mitte der 2000er Jahre lagen, wobei viele der Werften, die diese Schiffe noch bauen, bis mindestens 2026 keine Kapazitäten frei haben, da der Bau von anderen Schiffen häufig Vorrang hat. Bis zum Jahr 2035 werden fast 1.300 aktive OSVs, das heißt etwa 40 % der derzeit auf dem Wasser befindlichen OSVs, älter als 25 Jahre sein. Angesichts des anhaltenden Mangels an Neubauaufträgen ist das Management von Tidewater der Ansicht, dass die anhaltende Verknappung des weltweiten Angebots an OSVs einen weiteren Anstieg der Tagessätze im Jahr 2024 und bis ins Jahr 2025 ermöglichen wird. 

Tidewater erwirtschaftete 2023 einen Free Cashflow in Höhe von 111 Mio. US-Dollar, wovon etwa 80 Mio US-Dollar allein in der 2. Jahreshälfte erwirtschaftet wurde, sodass die Unternehmenslenker im vierten Quartal 2023 ein Aktienrückkaufprogramm gestartet haben. 

Wie stark die Tagesraten im vierten Quartal gestiegen sind, wurde den Analysten bei Verkündung der Quartalszahlen bewusst. Der Gewinn pro Aktie für das vierte Quartal 2023 lag bei 0,94 US-Dollar pro Aktie. Analysten hatten nur mit einem Gewinn von 0,58 US-Dollar pro Aktie gerechnet. Beeindruckend an diesem Gewinnsprung ist vor allem, dass die Umsätze für das vierte Quartal dabei sogar leicht unter den Erwartungen der Analysten gelegen hatten. Trotz etwas schwächer als erwarteter Auslastung konnte deutlich mehr Gewinn pro Tag erzielt werden.

Zu den Dienstleistungen von Tidewater gehören neben dem Abschleppen auch das sogenannte “Anchor handling”. Die Anker von Offshore-Einheiten sind häufig so fest und tief in den Meeresgrund eingearbeitet worden, dass die Anker von Tidewater-Schiffen herausgebrochen werden müssen, damit die Anker neu ausgeworfen werden können. Außerdem gehört der Transport von Vorräten, die Überwachung ferngesteuerter Aktivitäten auf mobilen Offshore-Einheiten sowie eine Vielzahl weiterer spezialisierter Wartungs- und Reparaturarbeiten zum Aufgabengebiet der Tidewater-Schiffe, die alle nur auf offener See durchgeführt werden können.

Der Gewinn pro Aktie soll 2024 gegenüber 2023 um 200 % steigen, von 2024 auf 2025 um 65 % und von 2025 auf 2026 um aktuell geschätzte 60 %. Damit handelt es sich bei dieser Aktie um ein Unternehmen mit extrem hohen Wachstumsraten, die in dieser Höhe im Bereich Energiedienstleistungen sonst nur selten anzutreffen sind. 

Das KGV 2023 lag noch bei 40, würde auf dem aktuellen Kursniveau Ende 2024 bei 18 liegen und Ende 2026 dann bei unter 5 – vorausgesetzt die Gewinnerwartungen werden nicht enttäuscht. Die Aktie scheint also trotz der starken Kursentwicklung nicht teuer bewertet zu sein.

Nach Verkündung der Quartalszahlen am 29. Februar stieg die Aktie am Earning-Day um 14 % und korrigierte danach praktisch gar nicht mehr. Seit dem 4. April bewegt sich die Aktie in einer engen Handelsspanne zwischen 95 und 100 US-Dollar. Ein Überspringen der 100 US-Dollar Marke dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein.

Neue Analysten-Kusziele wurden nach Veröffentlichung der Quartalszahlen am 29. Februar nicht mehr ausgesprochen. Die alten lagen zwischen 75 und 90 US-Dollar und müssten bei einem Upgrade nach oben angepasst werden. 

Die Aktie läuft trotz der imposanten Kursentwicklung seit Anfang März ein bisschen unter dem Radar der meisten Aktienanalysten, was uns aber nicht stören sollte – nur Aktien, die ins Bodenlose fallen und von Analysten irgendwann nicht mehr bewertet werden, sollten auch von uns ignoriert werden. Aktien, die relativ unbemerkt von Analysten steigen, sollten Stockpicker-Trader hingegen nicht ignorieren.

Tidewater wird neue Quartalszahlen Ende Mai präsentieren. Saisonal hatte die Aktie ihre stärkste Phase bisher von Anfang Mai bis Ende Juni erlebt, so dass Trader noch bis zu den Quartalszahlen mit einer Rallye rechnen können – also auf einen baldigen Ausbruch über 100 US-Dollar noch vor Bekanntgabe der Quartalszahlen spekulieren können.

 

Bereich Latein Amerika und Bildung: Laureate Education

Laureate Education (LAUR; Marktkapitalisierung: 3 Mrd. US-Dollar) betreibt insgesamt 5 Hochschuleinrichtungen und ist hierbei auch für den Einschreibungsprozess verantwortlich. Das Unternehmen bietet Studierenden in Peru und Mexiko Lernprogramme und andere Dienstleistungen mit Hochschulbezug an. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Miami, Florida.

In Mexiko ist das Unternehmen seit bereits 50 Jahren aktiv und fördert Studenten, die an den zwei der größten und angesehensten Bildungseinrichtungen des Landes, der Universidad del Valle de México und der Universidad Tecnológica de México studieren. Dabei bietet Laureate Education Lernprogramme für viele verschiedene Fächer, die von der Zahnmedizin bis zum Design reichen. 

In Peru ist Laureate Education an 19 Standorten aktiv und bietet Studierenden ein vielfältiges Spektrum an Bachelor-, Master- und Fachabschlüssen an.

Laureate Education meldete am 22. Februar Quartalszahlen, die sowohl bei Gewinn und Umsatz die Erwartungen um 11 % (Gewinn) beziehungsweise um 18 % (Umsatz) schlagen konnten.

Von 2023 auf 2024 wird ein Gewinnsprung von ungefähr 100 % erwartet, dabei soll der Umsatz nur um 5 % gesteigert werden. Das KGV würde dann von 22 auf 11 sinken. 

Das Unternehmen schüttet seit 2021 Sonderdividenden aus. Für 2024 wird eine Sonderdividende von 0,87 US-Dollar pro Aktie erwartet, was 6 % Dividendenrendite per Annum entspricht. Der Ausschüttungstag ist vom Unternehmen noch nicht bekannt gegeben worden.

Trader handeln diese Aktie gern über Boxen, damit sind feste Kursspannen zwischen geraden Kurszahlen gemeint. Aktuell befindet sich die Aktie in der Box zwischen 14 und 15 US-Dollar. Bei einem Aufsetzen der Aktie bei 14 US-Dollar böte sich ein Einstieg mit Kursziel 15 US-Dollar an. Wer langfristig an dieser Bildungs-Aktie interessiert ist, kann auch dabei bleiben, wenn die Aktie über 15 US-Dollar steigt und dann die Box handeln, die dann die Range von 15 und 16 US-Dollar umfassen wird – sofern sich die Bewegung in Boxen weiterhin in der Kursentwicklung der Aktie durchzieht wie bisher.

Saisonal hatte die Aktie in der Vergangenheit ihre stärkste Phase vom 24. April bis zum 5. Juni, so dass Trader bei dieser Aktie in Kürze mit Rückenwind durch die Saisonalität rechnen können.

 

 

Trades aus der vergangenen Woche im Musterdepot und weiteres geplante Vorgehen

In der vergangenen Handelswoche haben wir einige Trades durchgeführt, dabei haben wir uns sowohl von Positionen verabschiedet als auch neue Positionen aufgesetzt. Interessierte können die Trades auf wikifolio.com verfolgen, indem sie zum Beispiel im Suchfeld “Marktradar” eingeben. 

Unser Musterdepot büßte am Freitag nach 17 Uhr deutscher Zeit stark an Wert ein, da neben Gold und Öl auch die Kryptowährungen in eine Verkaufslawine geraten sind und unter Abgabedruck standen. Trotz des anstehenden Halvings haben wir unsere Gewichtung in den ETPs auf die Kryptowährungen Bitcoin, Ethereum, Solana und XRP vorerst reduziert. In den vergangenen drei Halvings zeigte sich die Phase kurz vor, während und nach dem Halving auch sehr volatil. Eine parabolische Rallye erwarten wir – wie in der Vergangenheit – in Bitcoin & Co. erst ab etwa 4 Wochen nach dem Halving – also ab etwa Mitte Mai.

Komplett verkauft haben wir im Laufe der Woche die Aktien von 2G Energy, Advanced Micro Devices, Block Inc., Radnet sowie Hebelproduktie auf die Aktien von BB Biotech und Puma sowie auf den Future Zucker.

Einziger Neukauf mit der Absicht, diese Aktie auch länger als nur wenige Tage oder Wochen zu halten, war Dell Technologies. Die Aufträge für KI-optimierte Server stiegen bei Dell im vierten Quartal 2023 im Vergleich zum Vorquartal um fast 40 %. Dell konnte – angetrieben vom Flaggschiff PowerEdge XE9680 – KI-optimierte Server im Wert von 800 Mio. US-Dollar ausliefern. Der Auftragsbestand hat sich im Vergleich zum Vorquartal fast verdoppelt. Der PowerEdge XE9680 ist die am schnellsten wachsende Lösung in der Unternehmensgeschichte. Dell verzeichnet ein starkes Interesse an Aufträgen für KI-optimierte Server, die mit der nächsten Generation von KI-GPUs ausgestattet sind. Die meisten Kunden befinden sich laut Aussage des Managements von Dell noch im Anfangsstadium ihrer KI-Reise. Nvidia hat auf seiner Entwicklerkonferenz die PowerEdge XE9680 von Dell ausdrücklich gelobt und eine vertiefte Zusammenarbeit der beiden Unternehmen angekündigt. Wir glauben, dass Dell Technologies als KI-Profiteur noch nicht ausreichend von den Analysten gewürdigt wird und sehen hier Überraschungspotenzial, zumal die Aktie mit einem KUV von unter 1 niedrig bewertet erscheint. Zugegeben: Die operativen Margen bei Dell lagen in der Vergangenheit weit unter dem, was Microsoft liefern konnte. Mit dem neuen Server-Produkt PowerEdge XE9680 könnte Dell nun aber in völlig neue Dimensionen vorstoßen und sich vom Mauerblümchen-Tech-Dasein (operativen Margen von lauen 5 – 6 %) abstoßen und in ein paar Monaten zweistellige operative Margen präsentieren.

Als Earning-Trades halten wir aktuell neben der Aktie von der Citigroup (Verkauf erfolgt am Montag) noch die Aktien von Ally Financial, Forestar Group, AZZ, Ameriprise Financial, Amphenol, Tractor Supply, die zwischen dem 18. und 25. April Quartalszahlen vorlegen werden.

Im Rahmen unseres Trendfolge Set-Ups folgen wir aktuell den Aktien von Amazon und ASML Holdings. ASML Holdings werden wir am Montag voraussichtlich wieder abstoßen, es sei denn die ASML-Aktie kann am Montag kräftig steigen. 

Wir werden die Entwicklung am Montag an den US-Börsen genau verfolgen und planen, die Cash-Quote zu erhöhen, um nach einer erwarteten Korrekturbewegung im S&P 500 in Richtung 5.000 Punkte wieder zuschlagen zu können.

 

Hinweis:

Gemäß §34 WpHG weise ich darauf hin, dass die Kolumne “Marktradar” ausschließlich Informationszwecken dient und in keinem Fall Empfehlungen zum Kauf von Aktien oder anderen Wertpapieren darstellen. Ich gebe hier ausschließlich meine eigene Meinung wieder und berate niemanden. Die hier vorgetragenen Ideen können vom Autor aktiv in seinen privaten Depots (inklusive wikifolios) umgesetzt werden oder auch nicht. Interessenkonflikte können in jedem Fall und jederzeit bestehen. Auch wenn ich die Kolumne nach bestem Wissen und Gewissen schreibe, können jederzeit Fehler auftauchen. Die Haftung für Vermögensschäden, die aus der Nutzung der von mir veröffentlichten Ausführungen für eine Anlageentscheidung resultieren können, ist kategorisch ausgeschlossen. Ich lehne jegliche Haftung für allfällige Verluste oder Schäden irgendwelcher Art ab, die direkt oder indirekt durch die Benutzung des Inhalts entstehen.

 

Seit 2014 ist Stefan Pröhl bei wikifolio aktiv. Dort setzt er Rotationsmodelle auf Wochen-, Monats- oder Quartalsbasis um.

Die Idee zum Marktradar ist entstanden, weil ihm bisher ein vernünftiges Modell fehlte, mit dem er sich täglich einen schnellen Überblick verschaffen kann, in welche Sektoren und Branchen gerade Kapital hineinfließt und aus welchen gerade Kapital abgezogen wird.

Mit dem von ihm entwickelten “Marktradar” kann er täglich für jeden Sektor bzw. jede Branche fünf Tagesstempel vergeben: “Kaufen oder Aufstocken”, “Buy the dip ?”, “Bodenbildung oder Seitwärts”, “Abwarten oder auf Sell Off spekulieren”, “Unter Beobachtung”.

Diese “Top Down” Analyse gibt ihm täglich wichtige Hinweise und Tipps zur Intermarketanalyse. Mit dem Schreiben dieser Kolumne dokumentiert er auf hoffentlich auch etwas unterhaltsame Weise die Tipps und Hinweise, die ihm der Marktradar liefert.

Mit jedem Wissen entsteht auch Unwissen. Nur so kann Stillstand, Leere, Einrosten im Kopf verhindert werden. Täglich gibt es Neues zu entdecken und täglich werden Überzeugungen revidiert. Das ist das Mindset, dem auch diese Kolumne folgt.

WF MR 20240415

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